Auszeit vom Terror

Die Schlagzeilen derzeit sind düster. Nizza, Würzburg, München, Ansbach. Jeden Tag eine Flut an Horror. „Terrorangst treibt Hauspreise an Nord- und Ostsee“, schreibt unterdessen die WELT, immer mehr Menschen suchen angeblich nach nahe gelegenen „Zufluchtsorten“. Aber wovor fliehen wir eigentlich? Und warum überhaupt haben wir Angst vor Terror? Die Wahrscheinlichkeit an einer verschluckten Fischgräte zu sterben, ist statistisch angeblich deutlich größer, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Warum warnen uns die Medien nicht vor Fisch? Eine Frage, die einfach zu beantworten ist, weil Fisch nicht die Auflage erhöht oder die Einschaltquoten.
Jetzt wäre es allerdings zu einfach, den Mainstream Medien die alleinige Schuld für ihren „Angst-Journalismus“ in die Schuhe zu schieben. Schließlich braucht es auch den User, der genau diese Nachrichten konsumieren möchte. Und davon gibt es mehr als genug.
Unsere unbewusste Sucht nach Negativem zeigt sich auch immer wieder bei schrecklichen Unfällen auf der Autobahn: anstelle zügig vorbeizufahren, entstehen die typischen „Gaffer-Staus“ – immer schön langsam an den Unfallort heranschleichen und am besten noch die Kamera zücken, um ein Foto vom Leid der anderen zu schiessen. Sie merken, worauf ich hinaus will: die Gier(Neugier) nach Leid und Angst scheint in unserer Gesellschaft tief verwurzelt zu sein.Kaufen wir die täglichen Terrorschlagzeilen nicht mehr, dann wird sie auch niemand mehr drucken.
Angst ist kein guter Berater und tatsächlich versuche ich es immer wieder, bei Ereignissen wie Nizza, Würzburg oder München deutlich weniger Mainstream-Medien zu konsumieren, weil sie mir ausser noch mehr Angst keinen weiteren Vorteil bieten. Was genau bringt es mir als Hamburger (rund 800 Kilometer von München entfernt), wenn ich im Live Ticker die Morde von München verfolge? Wenn ich mir auf BILD.de Videos davon anschaue, wie ein junger Mörder auf wehrlose Menschen schiesst, wenn ich minütlich neue Tickermeldungen zu Nizza oder Würzburg auf mein Smartphone bekomme, kann ich dadurch irgendjemandem helfen? Bin ich dadurch tatsächlich so gut gewarnt, dass mir ähnliches in Hamburg nicht passieren kann? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, ich fühle mich auch in Hamburg unsicher, das Böse ist plötzlich überall. WEM helfe ich damit?

Reicht es eigentlich nicht vollkommen aus, die einmalige Nachricht zur Kenntnis zu nehmen, für die Opfer zu beten und ihnen durch Meditation Kraft und Mitgefühl zu schicken? Mich legt der mediale Dauerkonsum solcher Ereignisse völlig lahm und deswegen entziehe ich mich ihm immer mehr. Negative Nachrichten bringen doch nur dann einen Vorteil, wenn wir unser Handeln dadurch tatsächlich zum positiven verändern. Aber tun wir das? Wenn wir hören, wie dramatisch es um unsere Umwelt steht, ändern wir unser Verhalten? Wenn wir hören, wieviele Menschen auf dieser Welt arm sind, schicken wir ihnen dann automatisch etwas von unserem Überfluss? Wenn wir hören, dass im Irak 500 000 Kinder unter 5 Jahren durch die Auswirkungen des Embargos der Amerikaner ums Leben gekommen sind, machen wir uns dann auf den Weg – z.B. aktuell nach Rammstein, um gegen Drohnen zu demonstrieren, die nachweislich pro Drohne auch rund 40 unschuldige Zivilopfer fordern? Ich habe den Eindruck, dass wir negative Schlagzeilen nur noch dann wirklich wahrnehmen, wenn sie bei uns direkte Todes-Angst erzeugen und genau deswegen bekommen wir derzeit so viele davon. Mein Rat: nehmen Sie eine mediale Auszeit, verzichten sie auf die Berieselung mit Dauer-Terror, schauen Sie sich vor allem positive Filme und Sendungen an, die nach der Wahrheit suchen (besonders auch im Internet), die ihr Weltbild zum Frieden hin korrigieren, die ihr kreatives, seelisches Wachstum fördern. Wenn viele mitmachen, können wir über unser kollektives Bewusstsein der Angst die Existenzgrundlage entziehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

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