Bewusstsein schafft Gesundheit – Kinderärztin Claudia Reiter im Gespräch

ahundredmonkeys.de stellt Menschen vor, die neue Wege gehen, die für Frieden und Freiheit stehen, die Dinge anders und besser machen als der Mainstream, zum Wohle der Menschheit. Claudia Reiter ist Kinderärztin in Hamburg mit homöopathischem Schwerpunkt. Eine Kombination, die es leider noch viel zu selten gibt, zumal ich selbst die heilende Kraft der Homöopathie immer wieder erfahren durfte. Auch bei meinen Kindern wirkt die Homöopathie mit einer unglaublich positiven „Wucht“, so daß ich Frau Reiter gebeten habe, mir dieses sehr persönliche Interview über Ihre Arbeit in ihrer privaten Kinderarztpraxis in Hamburg zu geben. Eine Arbeit, die viel Zeit und Einsatz erfordert und am Ende durch das derzeitige Gesundheitssystem nur sehr unzureichend gefördert wird. Ich bin dankbar für dieses offene Gespräch, da Frau Reiter selbst nicht wirklich gern vor einer Kamera steht. Umso mehr freue ich mich, dass ich dieses Interview mit ihr aufzeichnen konnte, das eine weitere Brücke zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden schlagen soll.

Auszeit vom Terror

Die Schlagzeilen derzeit sind düster. Nizza, Würzburg, München, Ansbach. Jeden Tag eine Flut an Horror. „Terrorangst treibt Hauspreise an Nord- und Ostsee“, schreibt unterdessen die WELT, immer mehr Menschen suchen angeblich nach nahe gelegenen „Zufluchtsorten“. Aber wovor fliehen wir eigentlich? Und warum überhaupt haben wir Angst vor Terror? Die Wahrscheinlichkeit an einer verschluckten Fischgräte zu sterben, ist statistisch angeblich deutlich größer, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Warum warnen uns die Medien nicht vor Fisch? Eine Frage, die einfach zu beantworten ist, weil Fisch nicht die Auflage erhöht oder die Einschaltquoten.
Jetzt wäre es allerdings zu einfach, den Mainstream Medien die alleinige Schuld für ihren „Angst-Journalismus“ in die Schuhe zu schieben. Schließlich braucht es auch den User, der genau diese Nachrichten konsumieren möchte. Und davon gibt es mehr als genug.
Unsere unbewusste Sucht nach Negativem zeigt sich auch immer wieder bei schrecklichen Unfällen auf der Autobahn: anstelle zügig vorbeizufahren, entstehen die typischen „Gaffer-Staus“ – immer schön langsam an den Unfallort heranschleichen und am besten noch die Kamera zücken, um ein Foto vom Leid der anderen zu schiessen. Sie merken, worauf ich hinaus will: die Gier(Neugier) nach Leid und Angst scheint in unserer Gesellschaft tief verwurzelt zu sein.Kaufen wir die täglichen Terrorschlagzeilen nicht mehr, dann wird sie auch niemand mehr drucken.
Angst ist kein guter Berater und tatsächlich versuche ich es immer wieder, bei Ereignissen wie Nizza, Würzburg oder München deutlich weniger Mainstream-Medien zu konsumieren, weil sie mir ausser noch mehr Angst keinen weiteren Vorteil bieten. Was genau bringt es mir als Hamburger (rund 800 Kilometer von München entfernt), wenn ich im Live Ticker die Morde von München verfolge? Wenn ich mir auf BILD.de Videos davon anschaue, wie ein junger Mörder auf wehrlose Menschen schiesst, wenn ich minütlich neue Tickermeldungen zu Nizza oder Würzburg auf mein Smartphone bekomme, kann ich dadurch irgendjemandem helfen? Bin ich dadurch tatsächlich so gut gewarnt, dass mir ähnliches in Hamburg nicht passieren kann? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, ich fühle mich auch in Hamburg unsicher, das Böse ist plötzlich überall. WEM helfe ich damit?

Reicht es eigentlich nicht vollkommen aus, die einmalige Nachricht zur Kenntnis zu nehmen, für die Opfer zu beten und ihnen durch Meditation Kraft und Mitgefühl zu schicken? Mich legt der mediale Dauerkonsum solcher Ereignisse völlig lahm und deswegen entziehe ich mich ihm immer mehr. Negative Nachrichten bringen doch nur dann einen Vorteil, wenn wir unser Handeln dadurch tatsächlich zum positiven verändern. Aber tun wir das? Wenn wir hören, wie dramatisch es um unsere Umwelt steht, ändern wir unser Verhalten? Wenn wir hören, wieviele Menschen auf dieser Welt arm sind, schicken wir ihnen dann automatisch etwas von unserem Überfluss? Wenn wir hören, dass im Irak 500 000 Kinder unter 5 Jahren durch die Auswirkungen des Embargos der Amerikaner ums Leben gekommen sind, machen wir uns dann auf den Weg – z.B. aktuell nach Rammstein, um gegen Drohnen zu demonstrieren, die nachweislich pro Drohne auch rund 40 unschuldige Zivilopfer fordern? Ich habe den Eindruck, dass wir negative Schlagzeilen nur noch dann wirklich wahrnehmen, wenn sie bei uns direkte Todes-Angst erzeugen und genau deswegen bekommen wir derzeit so viele davon. Mein Rat: nehmen Sie eine mediale Auszeit, verzichten sie auf die Berieselung mit Dauer-Terror, schauen Sie sich vor allem positive Filme und Sendungen an, die nach der Wahrheit suchen (besonders auch im Internet), die ihr Weltbild zum Frieden hin korrigieren, die ihr kreatives, seelisches Wachstum fördern. Wenn viele mitmachen, können wir über unser kollektives Bewusstsein der Angst die Existenzgrundlage entziehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Der Sache endlich auf den Grund gehen!

Eine Schweigeminute für die Opfer von Nizza. In der Sparkassenarena in Kiel steht an diesem Samstag für einen kurzen Moment die Welt still. 10 000 Menschen gedenken der Toten des jüngsten Terroranschlages in Frankreich, der uns über die Medien seit Tagen in unser Bewusstsein „geschaufelt“ wird. Eine weitere bedrückende Nachricht macht an diesem Abend die Runde: der französische Präsident Hollande beruft alle Reservisten ein, leicht gedrückte Stimmung in der VIP LOUNGE, was hat das nun wieder zu bedeuten?
Ich bin offen und ehrlich: ich kann mich an diesem Abend auf die Schweigeminute nicht richtig konzentrieren. Ein Gedanke huscht mir immer wieder durch den Kopf: warum gedenkt eigentlich niemand der Opfer, die durch weltweite militärische Operationen unschuldig ums Leben kommen, die unter dem Deckmantel von „Peacekeeping Operations“ angeblich den weltweiten Frieden sichern sollen und dabei so viel Unheil unter der Zivilbevölkerung anrichten? Drohnen aus Ramstein, Kriege, wie der Irak 2003, die mit einer Lüge legitimiert wurden, jetzt Syrien, vielleicht Morgen der Iran oder gar Russland? Irgendwie fühlt sich das Mitleid in der Sparkassenarena einseitig und aufgesetzt an, aber alle machen mit, weil es sich natürlich nicht gehört, solche Momente kritisch zu hinterfragen.
Auch ich fühle mich irgendwie schlecht mit meinen Gedanken, weil mir natürlich die Opfer in Nizza und die Menschen unendlich leid tun, die Angehörige bei diesem feigen Anschlag verloren haben. Ich selbst habe drei großartige Kinder, eine wunderbare Frau, eine tolle Familie und mag mir nicht vorstellen, was es bedeutet, Angehörige durch Terror zu verlieren.
Dennoch tun mir eben auch die Menschen leid, von denen wir in unseren Medien kaum etwas mitbekommen, die unschuldig sterben, weil sie in einem Land leben, das unter terroristischem Generalverdacht steht. Das Interview mit Eugen Drewermann in Paderborn hat mir die Augen noch weiter geöffnet:

Wir gedenken nur dann, wenn unser eigenes auf Überfluss und Ausbeutung basierendes System in Gefahr gerät. Aber haben nicht alle Zivilisten, die unschuldig durch Militärgewalt sterben, ein Recht auf Gedenkminuten? Müssten wir nicht auch viel häufiger den Menschen gedenken, die an Hunger in der dritten Welt sterben, während wir hier vor lauter Überfluß nahezu aus allen Nähten „platzen“?

Und müssten wir nicht vor allem der Sache endlich einmal auf den Grund gehen? Uns fragen, warum es immer mehr gewaltbereite Verrückte auf dieser Welt gibt? Warum fiebern junge Männer und Frauen darauf, sich als Terroristen in die Luft zu sprengen und dabei unzählige Zivilisten mit in den Tod zu reissen? Kommen diese Menschen schon als Mörder auf die Welt? Oder hat es am Ende nicht doch auch damit zu tun, dass die Ausbeutung immer skrupelloser wird, dass weltweit die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft? Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir das alles immer nur auf deren extremistische Religion schieben? Wie kann ein Mensch Liebe geben, wenn er von Anfang an nur Hass und bittere Armut erfährt? Müssten wir nicht genau an dieser Stelle ansetzen und dafür sorgen, dass der Hass weniger wird. Tun wir gerade nicht alles dafür, dass genau das nicht geschieht? Mit immer mehr Waffen erzeugen wir doch keine Liebe. Wann wird uns das und vor allem der Politik endlich bewusst? Oder anders gefragt, wann wird Frieden endlich wieder mit friedlichen Mitteln herbeigeführt?

Interessanterweise bin ich mit meinen Gedanken nicht allein. Natürlich will niemand der erste sein, der diese Dinge äußert, aber wenn man es dann doch tut, stellt sich schnell heraus, dass die meisten Gäste in der Arena an diesem Abend mit denen ich spreche ähnlich denken. Besonders ein Statement eines Geschäftspartners trifft den Nagel auf den Kopf: „Wir können unser derzeitiges System nur dann aufrechterhalten, wenn wir die Wahrheit verdrängen“. Genau diese Verdrängung macht unsere Welt aber zu einer tickenden Zeitbombe.

Was können wir also tun? Die Wahrheit zu erkennen, ist der erste richtige Schritt. Ins Handeln zu kommen, ebenso unverzichtbar. Aus meiner Sicht kann jeder einzelne von uns persönlichen Frieden ausstrahlen und dazu beitragen, dass auch andere davon angesteckt werden. Je mehr, umso besser für das Ganze. Seien Sie der erste, der den Kreislauf von Aggression in ihrem persönlichen Umfeld unterbricht. Schon kleine Gesten im Alltag bewirken Wunder. Seien Sie freundlich zu ihren Mitmenschen, selbst wenn diese zunächst unfreundlich sind. Nimmt man Ihnen die Vorfahrt, lächeln Sie entspannt, will sich in der Supermarktschlange jemand vordrängeln, treten Sie locker einen Schritt zurück, sucht ein Kollege Streit, begegnen Sie ihm mit Gelassenheit. Durchbrechen Sie einfach ab und zu den Kreislauf von Aggression in allen Lebenslagen, zähmen sie den Drachen in sich, und Sie werden sehen, dass sich Ihr Umfeld sofort friedlich zum positiven verändert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem kleinen Experiment und eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Bewusstsein schafft Menschlichkeit – EUGEN DREWERMANN im Gespräch

„Wachstum ist fortschreitende Zerstörung“ – der ehemalige Priester, Kirchenkritiker und heutige Autor und Friedensaktivist Eugen Drewermann bringt die Sache auf den Punkt. Über 80 Bücher hat der 76-jährige bis heute geschrieben, Drewermann rüttelt auf und appelliert an das System, endlich wieder die Menschlichkeit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Dabei äußert er seine Gedanken zu Brexit, IS und den Rohstoffkriegen der USA genau so deutlich, wie die Wichtigkeit mit der Religion einen Ort zu schaffen, in dem der Mensch einfach nur Mensch sein kann. Ein Gespräch, das unter die Haut geht, das nur einen Schluß zulässt: wir müssen endlich mehr für den Frieden auf dieser Welt einstehen.

Bibel 2.0

Der Skandal ereignet sich eine Viertelstunde vor Gottesdienst-Ende. Der neue „Leih-Pastor“ einer Hamburger Kirchengemeinde bringt die Ordnung des Hauptgottesdienstes an diesem Sonntag für einen Moment gründlich durcheinander. Eine ältere Dame, Anfang 80, springt von ihrer Kirchenbank auf und ruft verzweifelt: „Erst Kollekte, wir machen doch immer erst Kollekte“. Doch da ist es bereits zu spät, der Gottesdienst rollt wie eine unaufhaltsame Straßenwalze weiter in Richtung VATER UNSER. Irgendwie tut die Frau mir leid. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man es nicht ertragen kann, dass die Kollekte, die immer nach dem Abendmahlslied und vor dem offiziellen Abendmahl kommt, versehentlich plötzlich vor das grosse Lobgebet gerückt wird ?
Grundsätzlich ist die Kirche übrigens nicht der Ort, an dem ich meine Sonntage verbringe, aber wenn mein Sohn Paul im Kirchenchor singt, dann bin ich natürlich dabei, zumal dieser Chor mit seinen zumeist fröhlichen Liedern ein echter Lichtblick im sonst eher trüben Kircheneinerlei ist.
12 reguläre Gottesdienstbesucher, kaum einer unter 80 und rund 30 Angehörige des Kinderchores, dass ist die Bilanz, die mich von Beginn an zu der Frage bringt, was hier eigentlich grundsätzlich falsch läuft?

Warum schafft es die Kirche nicht, mehr Menschen für das zu begeistern, was sie tut? Oder anders gefragt – warum passt sich die Kirche nicht den Bedürftnissen des modernen Menschen an? Damit meine ich nicht die Bibel als E-Book oder die Kollekte per Paypal. Ich meine einfach die Menschen inhaltlich dort abzuholen, wo sie sind, in einem gesellschaftlichen System lebend, das tagtäglich unglaublich viele Ängste produziert. Kirche müsste in diesen turbulenten Zeiten boomen. Es müsste eine Begegnungsstätte für jung und alt sein, ein Ort an dem viele Menschen freiwillig und gern zusammenkommen, um ein Stück Nähe und Geborgenheit zu erfahren. Mut müsste sie machen, die Kirche, Zuversicht geben, in einer Sprache die jeder versteht.
Die Predigt über Paulus ist inhaltlich an diesem Sonntag gut gewählt, es geht darum, das wir Menschen aufhören sollen über andere zu richten aber sprachlich klingt der Vortrag wie aus einer anderen Zeit-Epoche. Sicher, es gibt auch Ausnahmen. Immer wieder höre ich von Kirchengemeinden die besondere Pastoren haben und durchaus regelmässig volle Gotteshäuser. Aber das ist eben nicht die Regel. WARUM? Nur am heiligen Abend sind alle Kirchen rappelvoll. Sollte das die Kirche nicht endlich zum nachdenken bringen? Ist die Art und Weise, wie Gott heutzutage an den Mann gebracht wird, nicht lange schon überholt? Was denkt Gott selbst über diese Kirche? Hat er wirklich Freude daran? Am Kinderchor hat er seine Freude, da bin ich sicher aber der Rest sollte dringend angepasst werden, eine Bibel 2.0 wird unumgänglich, wenn die Kirche überleben will.

Ein Mann, der versucht hat die katholische Kirche inhaltlich zu reformieren, ist der in Paderborn lebende ehemalige Priester, Friedensaktivist und Kirchenkritiker Eugen Drewermann. Vor 25 Jahren ist er damit kolossal gescheitert. Die katholische Kirche hat ihn damals für psychisch krank erklärt, dabei hätte die Kirche mit ihm eine große Chance gehabt, endlich wieder die Menschen positiv emotional zu berühren. Eugen Drewermann ist für mich ein großes Vorbild, wenn es um Menschlichkeit, Mut, Frieden und bedingungslose Liebe geht. Ich habe ihn in seiner Heimatstadt zu einem Interview getroffen und ein bewegendes Gespräch mit ihm geführt, das hier ab Montag veröffentlicht wird. Wie immer freue ich mich auf Eure konstruktiven, friedlichen Kommentare.

Eugen Drewermann