There are no bad plants!

Unkraut zu jäten ist eine undankbare Aufgabe. Besonders dann, wenn man von seinem eigenen Sohn dafür zur Rede gestellt wird. „Papa – warum machst Du das?“ „Weil es mich stört, wenn zwischen den grauen Bodenplatten grüne, undefinierbare Gewächse hervorschauen.“ Aber Paul lässt an diesem sonnigen Morgen in Hamburg nicht locker: „Das sind doch auch Pflanzen“, protestiert er und schaut mich vorwurfsvoll an. Wenn ein 8-jähriger mit voller Überzeugung das Unkraut im eigenen kleinen Stadtgarten verteidigt, berührt mich das. Zumal Paul bereits einen großen Plan für die Zukunft hat. Er will Umweltschützer werden oder Sänger oder beides, in jedem Fall will er verhindern, dass ich dem Unkraut an den Kragen gehe. In einer engagierten Diskussion einigen wir uns darauf, dass das bereits gezupfte Unkraut nicht wieder eingepflanzt werden muss (mit dieser Forderung war er gleich an mich herangetreten), dafür aber das noch bestehende Unkraut bestehen bleibt. Paul dreht sich um und ist zufrieden mit seinem Werk, ich hingegen stehe mit einem Bündel Unkraut in der Hand vor der grünen Gartentonne und habe ein schlechtes Gewissen.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an unseren Urlaub in Süditalien vor zwei Jahren auf einer kleinen Farm in den Bergen. Der Betreiber Francesco hatte uns nach der Ankunft voller Stolz seine auf Permakultur basierende Oase gezeigt und einen Satz gesagt, der sich seitdem eingeprägt hat: „There are no bad plants!“ – es gibt keine schlechten Pflanzen. Francesco sagte das damals mit einer solch großen Überzeugung, dass niemand der kleinen Reisegruppe es gewagt hätte, dem zu widersprechen. Alles in der Natur hat einen Sinn, auch Unkraut – auch Stubenfliegen und auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren: Stechmücken. Früher habe ich diese kleinen Plagegeister unkompliziert mit einem Zewa Wisch und Weg Tuch entfernt, heute muss ich sie mit Snapy „retten“. Übrigens auch eine Anweisung von Paul. Snapy ist ein kleines weißgrünes Plastikgerät, ein sogenannter Insektenfänger, der bei uns zu Hause fast täglich zum Einsatz kommt. Die Insekten werden in eine kleine Klappe gelockt und dann wieder an die frische Luft gesetzt, bis sie dann am Ende doch wieder im Haus landen. Ein schönes Spiel, das besonders dann richtig viel Spaß macht, wenn der junge Umweltschützer mal wieder nicht schlafen kann, weil Fliegen oder Mücken in seinem Zimmer für großen Aufruhr sorgen.
An diesem Morgen jedenfalls beende ich die Gartenarbeit, setze mich auf die Liege und versuche das Schöne auch im Unkraut zwischen den Bodenplatten zu sehen, mit der Erkenntnis, dass Respekt vor allem Lebendigen sicher auch dazu beitragen kann, diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Bewusstsein schafft Gesundheit – Kinderärztin Claudia Reiter im Gespräch

ahundredmonkeys.de stellt Menschen vor, die neue Wege gehen, die für Frieden und Freiheit stehen, die Dinge anders und besser machen als der Mainstream, zum Wohle der Menschheit. Claudia Reiter ist Kinderärztin in Hamburg mit homöopathischem Schwerpunkt. Eine Kombination, die es leider noch viel zu selten gibt, zumal ich selbst die heilende Kraft der Homöopathie immer wieder erfahren durfte. Auch bei meinen Kindern wirkt die Homöopathie mit einer unglaublich positiven „Wucht“, so daß ich Frau Reiter gebeten habe, mir dieses sehr persönliche Interview über Ihre Arbeit in ihrer privaten Kinderarztpraxis in Hamburg zu geben. Eine Arbeit, die viel Zeit und Einsatz erfordert und am Ende durch das derzeitige Gesundheitssystem nur sehr unzureichend gefördert wird. Ich bin dankbar für dieses offene Gespräch, da Frau Reiter selbst nicht wirklich gern vor einer Kamera steht. Umso mehr freue ich mich, dass ich dieses Interview mit ihr aufzeichnen konnte, das eine weitere Brücke zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden schlagen soll.

Auszeit vom Terror

Die Schlagzeilen derzeit sind düster. Nizza, Würzburg, München, Ansbach. Jeden Tag eine Flut an Horror. „Terrorangst treibt Hauspreise an Nord- und Ostsee“, schreibt unterdessen die WELT, immer mehr Menschen suchen angeblich nach nahe gelegenen „Zufluchtsorten“. Aber wovor fliehen wir eigentlich? Und warum überhaupt haben wir Angst vor Terror? Die Wahrscheinlichkeit an einer verschluckten Fischgräte zu sterben, ist statistisch angeblich deutlich größer, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Warum warnen uns die Medien nicht vor Fisch? Eine Frage, die einfach zu beantworten ist, weil Fisch nicht die Auflage erhöht oder die Einschaltquoten.
Jetzt wäre es allerdings zu einfach, den Mainstream Medien die alleinige Schuld für ihren „Angst-Journalismus“ in die Schuhe zu schieben. Schließlich braucht es auch den User, der genau diese Nachrichten konsumieren möchte. Und davon gibt es mehr als genug.
Unsere unbewusste Sucht nach Negativem zeigt sich auch immer wieder bei schrecklichen Unfällen auf der Autobahn: anstelle zügig vorbeizufahren, entstehen die typischen „Gaffer-Staus“ – immer schön langsam an den Unfallort heranschleichen und am besten noch die Kamera zücken, um ein Foto vom Leid der anderen zu schiessen. Sie merken, worauf ich hinaus will: die Gier(Neugier) nach Leid und Angst scheint in unserer Gesellschaft tief verwurzelt zu sein.Kaufen wir die täglichen Terrorschlagzeilen nicht mehr, dann wird sie auch niemand mehr drucken.
Angst ist kein guter Berater und tatsächlich versuche ich es immer wieder, bei Ereignissen wie Nizza, Würzburg oder München deutlich weniger Mainstream-Medien zu konsumieren, weil sie mir ausser noch mehr Angst keinen weiteren Vorteil bieten. Was genau bringt es mir als Hamburger (rund 800 Kilometer von München entfernt), wenn ich im Live Ticker die Morde von München verfolge? Wenn ich mir auf BILD.de Videos davon anschaue, wie ein junger Mörder auf wehrlose Menschen schiesst, wenn ich minütlich neue Tickermeldungen zu Nizza oder Würzburg auf mein Smartphone bekomme, kann ich dadurch irgendjemandem helfen? Bin ich dadurch tatsächlich so gut gewarnt, dass mir ähnliches in Hamburg nicht passieren kann? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, ich fühle mich auch in Hamburg unsicher, das Böse ist plötzlich überall. WEM helfe ich damit?

Reicht es eigentlich nicht vollkommen aus, die einmalige Nachricht zur Kenntnis zu nehmen, für die Opfer zu beten und ihnen durch Meditation Kraft und Mitgefühl zu schicken? Mich legt der mediale Dauerkonsum solcher Ereignisse völlig lahm und deswegen entziehe ich mich ihm immer mehr. Negative Nachrichten bringen doch nur dann einen Vorteil, wenn wir unser Handeln dadurch tatsächlich zum positiven verändern. Aber tun wir das? Wenn wir hören, wie dramatisch es um unsere Umwelt steht, ändern wir unser Verhalten? Wenn wir hören, wieviele Menschen auf dieser Welt arm sind, schicken wir ihnen dann automatisch etwas von unserem Überfluss? Wenn wir hören, dass im Irak 500 000 Kinder unter 5 Jahren durch die Auswirkungen des Embargos der Amerikaner ums Leben gekommen sind, machen wir uns dann auf den Weg – z.B. aktuell nach Rammstein, um gegen Drohnen zu demonstrieren, die nachweislich pro Drohne auch rund 40 unschuldige Zivilopfer fordern? Ich habe den Eindruck, dass wir negative Schlagzeilen nur noch dann wirklich wahrnehmen, wenn sie bei uns direkte Todes-Angst erzeugen und genau deswegen bekommen wir derzeit so viele davon. Mein Rat: nehmen Sie eine mediale Auszeit, verzichten sie auf die Berieselung mit Dauer-Terror, schauen Sie sich vor allem positive Filme und Sendungen an, die nach der Wahrheit suchen (besonders auch im Internet), die ihr Weltbild zum Frieden hin korrigieren, die ihr kreatives, seelisches Wachstum fördern. Wenn viele mitmachen, können wir über unser kollektives Bewusstsein der Angst die Existenzgrundlage entziehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Der Sache endlich auf den Grund gehen!

Eine Schweigeminute für die Opfer von Nizza. In der Sparkassenarena in Kiel steht an diesem Samstag für einen kurzen Moment die Welt still. 10 000 Menschen gedenken der Toten des jüngsten Terroranschlages in Frankreich, der uns über die Medien seit Tagen in unser Bewusstsein „geschaufelt“ wird. Eine weitere bedrückende Nachricht macht an diesem Abend die Runde: der französische Präsident Hollande beruft alle Reservisten ein, leicht gedrückte Stimmung in der VIP LOUNGE, was hat das nun wieder zu bedeuten?
Ich bin offen und ehrlich: ich kann mich an diesem Abend auf die Schweigeminute nicht richtig konzentrieren. Ein Gedanke huscht mir immer wieder durch den Kopf: warum gedenkt eigentlich niemand der Opfer, die durch weltweite militärische Operationen unschuldig ums Leben kommen, die unter dem Deckmantel von „Peacekeeping Operations“ angeblich den weltweiten Frieden sichern sollen und dabei so viel Unheil unter der Zivilbevölkerung anrichten? Drohnen aus Ramstein, Kriege, wie der Irak 2003, die mit einer Lüge legitimiert wurden, jetzt Syrien, vielleicht Morgen der Iran oder gar Russland? Irgendwie fühlt sich das Mitleid in der Sparkassenarena einseitig und aufgesetzt an, aber alle machen mit, weil es sich natürlich nicht gehört, solche Momente kritisch zu hinterfragen.
Auch ich fühle mich irgendwie schlecht mit meinen Gedanken, weil mir natürlich die Opfer in Nizza und die Menschen unendlich leid tun, die Angehörige bei diesem feigen Anschlag verloren haben. Ich selbst habe drei großartige Kinder, eine wunderbare Frau, eine tolle Familie und mag mir nicht vorstellen, was es bedeutet, Angehörige durch Terror zu verlieren.
Dennoch tun mir eben auch die Menschen leid, von denen wir in unseren Medien kaum etwas mitbekommen, die unschuldig sterben, weil sie in einem Land leben, das unter terroristischem Generalverdacht steht. Das Interview mit Eugen Drewermann in Paderborn hat mir die Augen noch weiter geöffnet:

Wir gedenken nur dann, wenn unser eigenes auf Überfluss und Ausbeutung basierendes System in Gefahr gerät. Aber haben nicht alle Zivilisten, die unschuldig durch Militärgewalt sterben, ein Recht auf Gedenkminuten? Müssten wir nicht auch viel häufiger den Menschen gedenken, die an Hunger in der dritten Welt sterben, während wir hier vor lauter Überfluß nahezu aus allen Nähten „platzen“?

Und müssten wir nicht vor allem der Sache endlich einmal auf den Grund gehen? Uns fragen, warum es immer mehr gewaltbereite Verrückte auf dieser Welt gibt? Warum fiebern junge Männer und Frauen darauf, sich als Terroristen in die Luft zu sprengen und dabei unzählige Zivilisten mit in den Tod zu reissen? Kommen diese Menschen schon als Mörder auf die Welt? Oder hat es am Ende nicht doch auch damit zu tun, dass die Ausbeutung immer skrupelloser wird, dass weltweit die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft? Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir das alles immer nur auf deren extremistische Religion schieben? Wie kann ein Mensch Liebe geben, wenn er von Anfang an nur Hass und bittere Armut erfährt? Müssten wir nicht genau an dieser Stelle ansetzen und dafür sorgen, dass der Hass weniger wird. Tun wir gerade nicht alles dafür, dass genau das nicht geschieht? Mit immer mehr Waffen erzeugen wir doch keine Liebe. Wann wird uns das und vor allem der Politik endlich bewusst? Oder anders gefragt, wann wird Frieden endlich wieder mit friedlichen Mitteln herbeigeführt?

Interessanterweise bin ich mit meinen Gedanken nicht allein. Natürlich will niemand der erste sein, der diese Dinge äußert, aber wenn man es dann doch tut, stellt sich schnell heraus, dass die meisten Gäste in der Arena an diesem Abend mit denen ich spreche ähnlich denken. Besonders ein Statement eines Geschäftspartners trifft den Nagel auf den Kopf: „Wir können unser derzeitiges System nur dann aufrechterhalten, wenn wir die Wahrheit verdrängen“. Genau diese Verdrängung macht unsere Welt aber zu einer tickenden Zeitbombe.

Was können wir also tun? Die Wahrheit zu erkennen, ist der erste richtige Schritt. Ins Handeln zu kommen, ebenso unverzichtbar. Aus meiner Sicht kann jeder einzelne von uns persönlichen Frieden ausstrahlen und dazu beitragen, dass auch andere davon angesteckt werden. Je mehr, umso besser für das Ganze. Seien Sie der erste, der den Kreislauf von Aggression in ihrem persönlichen Umfeld unterbricht. Schon kleine Gesten im Alltag bewirken Wunder. Seien Sie freundlich zu ihren Mitmenschen, selbst wenn diese zunächst unfreundlich sind. Nimmt man Ihnen die Vorfahrt, lächeln Sie entspannt, will sich in der Supermarktschlange jemand vordrängeln, treten Sie locker einen Schritt zurück, sucht ein Kollege Streit, begegnen Sie ihm mit Gelassenheit. Durchbrechen Sie einfach ab und zu den Kreislauf von Aggression in allen Lebenslagen, zähmen sie den Drachen in sich, und Sie werden sehen, dass sich Ihr Umfeld sofort friedlich zum positiven verändert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem kleinen Experiment und eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Bewusstsein schafft Menschlichkeit – EUGEN DREWERMANN im Gespräch

„Wachstum ist fortschreitende Zerstörung“ – der ehemalige Priester, Kirchenkritiker und heutige Autor und Friedensaktivist Eugen Drewermann bringt die Sache auf den Punkt. Über 80 Bücher hat der 76-jährige bis heute geschrieben, Drewermann rüttelt auf und appelliert an das System, endlich wieder die Menschlichkeit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Dabei äußert er seine Gedanken zu Brexit, IS und den Rohstoffkriegen der USA genau so deutlich, wie die Wichtigkeit mit der Religion einen Ort zu schaffen, in dem der Mensch einfach nur Mensch sein kann. Ein Gespräch, das unter die Haut geht, das nur einen Schluß zulässt: wir müssen endlich mehr für den Frieden auf dieser Welt einstehen.

Bibel 2.0

Der Skandal ereignet sich eine Viertelstunde vor Gottesdienst-Ende. Der neue „Leih-Pastor“ einer Hamburger Kirchengemeinde bringt die Ordnung des Hauptgottesdienstes an diesem Sonntag für einen Moment gründlich durcheinander. Eine ältere Dame, Anfang 80, springt von ihrer Kirchenbank auf und ruft verzweifelt: „Erst Kollekte, wir machen doch immer erst Kollekte“. Doch da ist es bereits zu spät, der Gottesdienst rollt wie eine unaufhaltsame Straßenwalze weiter in Richtung VATER UNSER. Irgendwie tut die Frau mir leid. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man es nicht ertragen kann, dass die Kollekte, die immer nach dem Abendmahlslied und vor dem offiziellen Abendmahl kommt, versehentlich plötzlich vor das grosse Lobgebet gerückt wird ?
Grundsätzlich ist die Kirche übrigens nicht der Ort, an dem ich meine Sonntage verbringe, aber wenn mein Sohn Paul im Kirchenchor singt, dann bin ich natürlich dabei, zumal dieser Chor mit seinen zumeist fröhlichen Liedern ein echter Lichtblick im sonst eher trüben Kircheneinerlei ist.
12 reguläre Gottesdienstbesucher, kaum einer unter 80 und rund 30 Angehörige des Kinderchores, dass ist die Bilanz, die mich von Beginn an zu der Frage bringt, was hier eigentlich grundsätzlich falsch läuft?

Warum schafft es die Kirche nicht, mehr Menschen für das zu begeistern, was sie tut? Oder anders gefragt – warum passt sich die Kirche nicht den Bedürftnissen des modernen Menschen an? Damit meine ich nicht die Bibel als E-Book oder die Kollekte per Paypal. Ich meine einfach die Menschen inhaltlich dort abzuholen, wo sie sind, in einem gesellschaftlichen System lebend, das tagtäglich unglaublich viele Ängste produziert. Kirche müsste in diesen turbulenten Zeiten boomen. Es müsste eine Begegnungsstätte für jung und alt sein, ein Ort an dem viele Menschen freiwillig und gern zusammenkommen, um ein Stück Nähe und Geborgenheit zu erfahren. Mut müsste sie machen, die Kirche, Zuversicht geben, in einer Sprache die jeder versteht.
Die Predigt über Paulus ist inhaltlich an diesem Sonntag gut gewählt, es geht darum, das wir Menschen aufhören sollen über andere zu richten aber sprachlich klingt der Vortrag wie aus einer anderen Zeit-Epoche. Sicher, es gibt auch Ausnahmen. Immer wieder höre ich von Kirchengemeinden die besondere Pastoren haben und durchaus regelmässig volle Gotteshäuser. Aber das ist eben nicht die Regel. WARUM? Nur am heiligen Abend sind alle Kirchen rappelvoll. Sollte das die Kirche nicht endlich zum nachdenken bringen? Ist die Art und Weise, wie Gott heutzutage an den Mann gebracht wird, nicht lange schon überholt? Was denkt Gott selbst über diese Kirche? Hat er wirklich Freude daran? Am Kinderchor hat er seine Freude, da bin ich sicher aber der Rest sollte dringend angepasst werden, eine Bibel 2.0 wird unumgänglich, wenn die Kirche überleben will.

Ein Mann, der versucht hat die katholische Kirche inhaltlich zu reformieren, ist der in Paderborn lebende ehemalige Priester, Friedensaktivist und Kirchenkritiker Eugen Drewermann. Vor 25 Jahren ist er damit kolossal gescheitert. Die katholische Kirche hat ihn damals für psychisch krank erklärt, dabei hätte die Kirche mit ihm eine große Chance gehabt, endlich wieder die Menschen positiv emotional zu berühren. Eugen Drewermann ist für mich ein großes Vorbild, wenn es um Menschlichkeit, Mut, Frieden und bedingungslose Liebe geht. Ich habe ihn in seiner Heimatstadt zu einem Interview getroffen und ein bewegendes Gespräch mit ihm geführt, das hier ab Montag veröffentlicht wird. Wie immer freue ich mich auf Eure konstruktiven, friedlichen Kommentare.

Eugen Drewermann

„Bewusstsein schafft Zufriedenheit“ – Dr. Peter Backwinkel aus Berlin im Gespräch

ZuFRIEDENheit ist ein Zustand, der zum persönlichen Glück führt. Wer zufrieden ist, lebt besser, gesünder und wahrscheinlich auch länger. Jedoch definieren die meisten Menschen Zufriedenheit über finanziellen Erfolg, wir haben verlernt achtsam zu sein und die kleinen, schönen Dinge des Lebens zu schätzen. Bei uns geht es meistens nur ums „liebe“ Geld. Ist das Konto voll, sind wir zufrieden, ist es leer, strampeln wir wie ein Meerschweinchen im Gartenteich. Der Wahnsinn ist, dass das Leben an uns vorbeizieht und wir nicht merken, dass wir vieles von dem was wir besitzen, gar nicht brauchen, dass das permanente „Haben wollen“ die größten Probleme mit sich bringt. Wir verschulden uns für Urlaube und müssen am Ende noch mehr arbeiten, um die Zinslast für die angeblich schönsten zwei Wochen des Jahres tragen zu können.

Unsere Keller stehen voll mit altem Zeug, wir kaufen solange neu, bis die eigenen vier Wände zu klein geworden sind und wir größere Wohnungen und Häuser brauchen, in der Erwartung, jetzt werde alles besser. Bis spätestens zum nächsten IKEA Besuch das Auto wieder voll ist, mit neuem Gerümpel. Ich bin da übrigens keine Ausnahme. Ich gehöre auch zu diesen „Verrückten“, ich lebe auch in diesem System, aber ich stelle mir immer häufiger die Frage, wofür ich Geld ausgebe und verkneife mir die Dinge, die nicht wirklich zu meiner Lebensqualität beitragen. Ein befreundeter Geistheiler hat es einmal so formuliert: gib Geld nur für die Dinge aus, die Deinen Seelenplan erfüllen, vermeide EGO-Käufe. Leichter gesagt als getan, denn wir sind süchtig geworden nach Materiellem, das große Kapital hat erkannt, daß es sich nur so vermehren lässt. Besuche im Wald bringen kein neues Geld, ein Tag in freier Natur kostet nix. Deswegen wird uns vorgegaukelt, wir würden etwas verpassen, wenn wir am Samstag nicht durch völlig überfüllte Innenstädte hetzen, um beim 200. XXL-SALE dieses Jahres das Schnäppchen des Jahrhunderts zu machen. Die Band Silbermond hat es so schön in einem Lied gesungen (Zitat): „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“, das Gepäck steht in diesem Fall für all die unnützen Dinge, mit denen wir uns zumüllen.

Glück und Zufriedenheit erreichen wir aber besonders dann, wenn wir in unsere Talente zu entdecken investieren, sie ausleben und vielleicht sogar einen Beruf daraus machen. Dr. Peter Backwinkel aus Berlin ist so ein Mensch, noch 2006 war er Geschäftsführer bei Drees & Sommer (ca. 2000 Mitarbeiter) und heute forscht er in seinem eigenen Institut IPR in Berlin, um Menschen zu helfen, die unter den Auswirkungen von Elektrosmog leiden. (80 % aller 5-jährigen heutzutage sind lt. Dr. Backwinkel bereits elektrosensibel) Ein spannendes Gespräch, das Mut macht, seiner Intuition zu folgen und die Dinge „anzupacken“, die unsere Bestimmung sind.

„Kümmer Du Dich um Du Dich“!

Dass etwas nicht stimmt in unserem Land, dass bekomme ich derzeit bei meinen Reisen durch Deutschland überall zu spüren und zu hören. Ein Taxifahrer aus Saarbrücken, der mir ungefragt aufbrausend erzählt, dass er die Politiker schon lange nicht mehr ernst nehmen kann, oder das von mir zufällig „belauschte“ Gespräch im Kölner Music Store zwischen einem Mitarbeiter und einem Kunden, die sich darüber einig sind, dass man Mainstream Nachrichten grundsätzlich nicht mehr konsumieren sollte, da sie einen nur „schlecht drauf“ bringen und genau dies ja auch das Ziel eben dieser Medien sei. „Nachrichten heissen Nachrichten, weil wir uns danach „richten“ sollen. Wer die Medien bestimmt, bestimmt, wie das Volk denkt.“ Alles nur Verschwörung? Alles nur selektive Wahrnehmung? Nach dem Motto: interessiere ich mich für gelbe Autos, sehe ich auch überall gelbe Autos. Mein Gefühl sagt: nein. Es werden immer Menschen, denen bewusst wird, dass wir etwas ändern müssen. Gleichzeitig fällt es uns aber so schwer etwas zu ändern. Auch mir übrigens, ich bin da keine Ausnahme.
Auch ich bestelle ab und zu bei Amazon und nehme gleichzeitig wahr, dass es kleinere Geschäfte immer schwerer haben, auch ich erwische mich dabei, dass ich nicht jeden Müll trenne, weil es manchmal einfach nicht die Gelegenheit dazu gibt. Auch ich kaufe noch Textilien oder Technik, die in Niedriglohn-Ländern produziert wird. Aber – und das ist für mich der Unterschied – ich nehme es nicht mehr als selbstverständlich hin. Deswegen bin ich kein besserer Mensch, aber ich bin überzeugt davon, dass wenn immer mehr Menschen über ihre Handlungen nachdenken, ein kollektives Bewusstsein entsteht, das positive Veränderungen bewirken kann. Ich versuche immer wieder auch alternative Wege zu gehen. In der Medizin, bei der Ernährung, beim Konsum. Muss man eigentlich immer nur in eine Schublade gehören, oder ist nicht jede einzelne Handlung, die ich zum besseren ausführe, ein Gewinn für die Gesamtheit? Das Schubladendenken führt doch am Ende nur dazu, das man verzweifelt aufgibt. Wenn man von 100 Mal einkaufen gehen 90 Mal die regionalen Produkte kauft, die keine großen Co 2 Emissionen verursachen und 10 Mal zum Obst aus Übersee greift, ist man aus Sicht der Kritiker schon ein Heuchler. Aber hat man nicht auch 90 Mal besser gehandelt?
Schubladendenken ist für mich ein Grundübel unserer Gesellschaft. Wir wollen, dass Menschen Fleischesser oder Veggies sind, wir wollen, dass wir sie als dumm oder gebildet einstufen können. Ein Dummer sagt nie etwas schlaues und ein Intelligenter nie etwas dummes. Aber warum eigentlich nicht? Wäre das nicht eine friedliche Option, die Menschen das tun zu lassen, was sie für richtig halten, ohne sie dabei zu bewerten und in eine Schublade zu stecken?
Ich glaube, wenn wir endlich lernen, den anderen so zu akzeptieren wie er ist und nicht seine Handlungen bewerten sondern fortan nur noch unsere eigenen, haben wir einen großen Schritt in Richtung Frieden gemacht. Meine Oma hat immer gesagt: „Kümmer Du Dich um Du Dich!“ – bei uns zu Hause war das ein geflügelter Satz. Jeder packt sich an die eigene Nase und steckt sich selbst in die Schublade, in die er hinein möchte. Oder noch besser: wir nutzen Schubladen ab sofort nur noch dafür, wofür sie einst erdacht wurden: zum verstauen von Socken und Unterhosen. In diesem Sinne: eine schöne Woche mit friedlichen Gedanken!

Bewusstsein schafft Frieden. Dr. Daniele Ganser im Gespräch.

2016 ist das Jahr des Affen.
Ein Jahr, in dem alles passieren kann. Glaubt man dem chinesischen Horoskop, dann schenkt uns der Affe die Fähigkeit, unkonventionelle, friedliche Lösungen für alte Probleme zu finden. Blicken wir derzeit auf unsere Welt, sollten wir dieses „Geschenk“ undbedingt in unseren Alltag integrieren.
Warum schreibe ich diesen Blog? Mein Ziel ist es, die Kraft des menschlichen Bewusstseins gesellschaftlich salonfähig zu machen. Jeder soll von dieser Kraft profitieren, die zu Unrecht oft als esoterische Spinnerei abgetan wird. Ich selbst habe drei Kinder und es wird mir Angst und Bange, wenn ich sehe, in was für eine Welt ich sie entlasse. Auch ich habe mich jahrelang zurückgelehnt und gedacht, irgendwie wird es sich schon „zurechtruckeln“. Ich habe verdrängt, habe konsumiert, um mich besser zu fühlen, habe Kredite bedient, habe gedacht, so ist es wohl, das Leben. Aber so ist es eben nicht und vor allem: so sollte es nicht sein. Wir könnten anders, wenn wir es nur wollten. Natürlich ist das auf den ersten Blick unbequem und der innere Schweinehund schreit: „STOPP“.

Der Liedermacher Konstantin Wecker hat es einmal so schön in einem Lied gefragt: „Ist das Böse eigentlich immer nur außerhalb von uns selbst?“ Das Böse steht in diesem Fall für Dinge, die wir schon lange nicht mehr als böse empfinden. Wir zerstören permanent unsere Umwelt, wir führen zweifelhafte Kriege im Namen des Friedens (Peacekeeping Operations), wir lassen es zu, dass Menschen ausgebeutet werden, damit wir unseren Lebensstandard halten können. Ist es nicht verrückt, dass für jeden von uns weltweit 65 Sklaven arbeiten? Auf der Seite slaveryfootprint.org kann man dieses jederzeit überprüfen. Ist uns das eigentlich bewusst? Ehrlich, mir war es so nicht bewusst, aber in mir machte sich ein Gefühl breit, dass etwas nicht stimmen kann auf dieser Welt. Ich habe damit begonnen, diesem Gefühl zu folgen und bin dabei auf Erkenntnisse gestoßen, die mich zunächst in meinen Grundfesten erschüttert haben. Ich will eines mit diesem Blog auf gar keinen Fall: Angst verbreiten. Davon haben wir mehr als genug. Doch das erste Gefühl war auch bei mir Angst und es ist wahrscheinlich ganz normal, denn Angst ist eine natürliche menschliche Reaktion auf Veränderung. Und eine Veränderung ist aus meiner Sicht dringend notwendig, damit wir zu einer fairen, friedlichen, emphatischen Gesellschaft zurückkehren können.

Mein Ziel und das Ziel der meisten Menschen, die ich kenne, ist Frieden.  Es macht mich fassungslos, wenn ich täglich in den Medien sehe, wie wir gegeneinander aufgehetzt werden, einfach nur um Kriege und Wettrüsten zu rechtfertigen. Was soll die aktuelle Auseinandersetzung der Nato mit Russland? Habe ich persönlich Streit mit den Russen? Will ich als Bürger einen neuen kalten Krieg, von einem heißen Krieg mal ganz zu schweigen? Klar ist Putin ein fragwürdiger Machtmensch aber ist es Obama nicht auch? Nein, ich bin kein Putin-Versteher aber eben auch kein Obama-Versteher. Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts, nicht oben und nicht unten, ich versuche einfach nur, mir ein eigenes Bild zu machen, immer unter dem Aspekt des Friedens. Die Russen und Amerikaner, die ich kenne, sind zu gleichen Teilen gute, freundliche Menschen. Was also soll das alles? Bin ich wirklich zu naiv, um diese Spielchen zu verstehen? Oder ist es am Ende nicht doch nur der Kampf einer kleinen Machtelite, um die Rüstungsindustrie zu immer höhren Gewinnen zu führen? Bin ich jetzt schon ein Verschwörungstheoretiker, weil ich mir diese Gedanken mache?

Ich bin Mitte 40, Comedian, und könnte auch einfach meine Klappe halten. Aber ich befürchte, dass wir dann am Ende alle gemeinsam eine Rechnung zu zahlen haben, die uns in den Abgrund stürzt. Auch bei mir war es ein langer Prozess bis zu diesem Punkt. Mit Mitte 30 habe ich den Kapitalismus mit Händen und Füßen verteidigt. Die Diabeteserkrankung meines mittleren Sohnes im Jahr 2010 hat mir die Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben geöffnet. Sie war der Auslöser für diesen Prozess, in dem ich mich seit nunmehr 6 Jahren befinde.

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Eines noch ist mir sehr wichtig: ich hege keine politischen Absichten, mein einziges Ziel ist es, Bewusstsein für Frieden zu schaffen. Daher freue ich mich auch sehr, dass mein erster Videogast Dr. Daniele Ganser ist, Schweizer Historiker und Friedensforscher, mit dem ich in meiner Heimatstadt Hamburg ein besonderes Interview über die Verrücktheit der Welt und die Kraft von menschlichem Bewusstsein führen konnte. Dr. Daniele Ganser ist Experte in den Bereichen Geheimarmeen und Terrorismus, darüber hinaus hält er unseren Mainstream-Medien regelmässig den Spiegel vor. Seine Vorträge, die er besonders an die junge Zielgruppe der 15 bis 25-jährigen richtet, sind im Internet und auf der Bühne Bestseller.

Kurzum: ich möchte mit diesem Blog zu einem friedlichen Prozess in eine bessere Welt beitragen, möchte hier Menschen ein Forum geben, die anders denken als der Mainstream, ohne dass dabei alles was sie sagen und schreiben meiner Meinung entsprechen muss. Ich freue mich auf eine friedliche Kommunikation mit Euch.

Jens Lehrich