„Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir.“

Kommt Dir dieser Satz ungewöhnlich vor? Wenn nein, dann bist Du wahrscheinlich bereits im Thema, wenn ja, dann lade ich Dich dazu ein, gemeinsam mit mir darüber nachzudenken, warum wir im 21. Jahrhundert in Deutschland noch immer ein Schulsystem betreiben, das überwiegend aus einer Zeit stammt, in der Gehorsam und Disziplin die obersten Gebote waren?! Früher haben die Menschen geglaubt, das Gehirn sei durch Disziplin bespielbar wie eine Festplatte, heute wissen wir, dass unser Gehirn ganz anders funktioniert. Um etwas wirklich behalten zu können, braucht es einen gewissen Treibstoff, den der bekannte Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther ganz einfach Begeisterung nennt.
Wenn wir uns für etwas begeistern, können wir auch mit 80 Jahren noch neurologische Höchstleistungen vollbringen und beispielsweise eine Fremdsprache lernen, umgekehrt können wir mit 30 an eben dieser Aufgabe scheitern, wenn wir uns nicht dafür begeistern. Und da Menschen Individuen sind, begeistert sich jeder Mensch für etwas anderes. Genau diesem Umstand kann die Schule mit ihrer „wir scheren alle über einen Kamm-Methode“ aber nicht gerecht werden, natürlich gibt es Reförmchen nach Reförmchen aber grundsätzlich geht es doch in erster Linie darum, die Spreu vom Weizen zu trennen, Hochbegabte rauszufischen und Versager auszusortieren. Ist jetzt der Versager aber möglicherweise nur zum Versager gestempelt worden, weil er sich eben nicht für Mathe, Chemie oder Physik in der Form begeistern konnte, wie es ihm in der Schule vermittelt wurde? Weil er über viele Jahre mit einem Stoff gequält wurde, den sein Hirn als völlig unsinnig und unnütz eingestuft hat. Oder ist es sogar gewünscht, dass die Schule bewusst Versager produziert, denn irgendjemand muss ja später auch die Berufe machen, die eigentlich keiner machen will? Provokation oder bittere Wahrheit?
Der Begriff „Wissensbulimie“ bringt die Art von unserem Lernsystem gut auf den Punkt, wir quälen uns Wissen rein, spucken es zu einem definierten Zeitpunkt (Klausur) wieder aus und haben es meistens für immer verloren. Was soll das? Warum ist es aus Sicht des schulischen Systems nichts wert, wenn ein Kind sich für Fußball, Malerei, Musik, Tanz oder Schauspiel begeistert, während die Anwendung des Satz des Pythagoras jedem „PISA-Fetischisten“ leuchtende Augen beschert? Wann hast Du in der realen Welt zuletzt mit dem Satz des Pythagoras gerechnet? An der Supermarktkasse? Bei der Steuererklärung oder abends bei einem romantischen Glas Rotwein mit Deiner Freundin oder Frau? „Schatz, ich wollte mit Dir heute endlich mal über den Satz des Pythagoras sprechen.“

Mich selbst hat dieses System fast zwei Jahrzehnte bis zum Abitur gequält, noch Jahre später wachte ich schweißgebadet auf, mit dem Albtraum, ich hätte mein Abitur nicht bestanden. Aber Anfang der 90 er Jahre gab es für mich keine Alternative, ich musste da durch, meine Eltern hätten auch ihren letzten Groschen für Nachhilfe in mich investiert, einfach nur, damit ihr Sohn sein Abitur schafft. Das gehörte sich einfach so, wenn man kein Außenseiter sein wollte.
Habe ich geschafft – und wie ich es geschafft habe? Natürlich mit Begeisterung. Aber eben nicht für meine Leistungskurse. Und schon gar nicht für meine Grundkurse. Mit Begeisterung für den Journalismus. In der 11 Klasse begann ich in meiner Heimat Bad Salzuflen für die Lippische Landeszeitung als Reporter zu schreiben. Und das mit einer schwachen 4 in Deutsch. Dennoch: meine Artikel formulierte ich derart engagiert und lebendig, dass sogar der Chefredakteur auf mich aufmerksam wurde und mir nach knapp einem Jahr noch während meiner Abizeit ein Volontariat (Ausbildung zum Redakteur) in Aussicht stellte. So bot ich der Redaktion regelmäßig Artikel über Aktionen an unserer Schule an – was den Lehrern schmeichelte – und im Gegenzug verzieh man mir wohl die ein oder andere kleine Schwäche in Französisch oder Mathematik.

Wie aber soll eine Schule 2.0 dann überhaupt in Zukunft gestaltet sein? Die 10-jährige Tochter einer befreundeten Nachbarsfamilie malte neulich ungefragt im Büro ihrer Eltern ihren ganz persönlichen Wunschstundenplan auf:
Wunsch Stundenplan
Hier bekommt das Wunschdenken vieler Schülerinnen und Schüler ein Gesicht: mit nur einer Stunde Mathe pro Woche am Donnerstag und einem komplett freien Freitag. Der freischaffende Philosoph und Kinderrechtler Bertrand Stern, den ich in Hamburg zu einem Interview getroffen habe, geht noch viel weiter.
Bild Bertrand Stern
Er hält die Schulpflicht in Deutschland für längst überfällig. Seine Forderung: jeder junge Mensch (Stern vermeidet bewusst den Begriff Kind, weil für ihn das Wort Kind Menschen zum Objekt degradiert) hat das Recht frei sich zu bilden. Er sieht die Schulpflicht als eine staatlich organisierte Bevormundung und Entmündigung der jungen Menschen. Keine Reform kann laut Stern die Schule je zu dem machen, wofür sie selbst im optimistischsten Fall da sein sollte: die Potentiale junger Menschen zu entfalten, um sie zu zufriedenen, kreativen und lebensbejahenden Menschen zu machen.

Mehr Infos unter www.bertrandstern.de

2017: mehr Mut, weniger Angst

2016 geht zu Ende. In etwas mehr als 48 Stunden werden wir die alten Kalender zuschlagen und die neuen öffnen oder ganz einfach im Smartphone Kalender zur Kenntnis nehmen, dass 2017 beginnt. Aber was für ein Jahr war 2016 nun eigentlich? Diese Frage beschäftigt mich schon seit ein paar Tagen. Ein gutes Jahr, ein schlechtes? Im Freundeskreis ist die Meinung ziemlich eindeutig: 2016 war überwiegend ein anstrengendes Jahr. Und anstrengend klingt eher schlecht als gut. Aber ist anstrengend nicht auch gleich erfahrungsreich und macht „erfahrungsreich“ nicht gleich ein viel besseres Gefühl als „anstrengend“? Wenn wir versuchen unsere Bewertung der Dinge auszuschalten und unser Leben durch die Brille unserer Seele betrachten, dann ist ein anstrengendes Jahr ein gutes Jahr, weil es unserer Seele um eben möglichst viele Erfahrungen geht. Die Seele wertet nicht, für sie ist eine schlechte Erfahrung immer auch eine gute Erfahrung, eben, weil wir nur durch Erfahrungen wachsen. Dieses Lernen ist für mich übrigens auch der eigentliche Sinn des Lebens und genau das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen: alles was uns widerfährt, hat am Ende eine positive Kraft, wenn wir bereit sind es anzunehmen. Kampf gegen etwas ist immer die falsche Wahl und zieht immer noch mehr von den Dingen an, gegen die wir uns wehren.
Leider werden wir in unserem System zu funktionierenden Bürgern erzogen, die möglichst keine Fehler(eigene Erfahrungen) mehr machen sollen, die perfekt funktionieren, in Beruf und Familie, wie Maschinen, die am Ende nicht selbst denken, sondern möglichst kritiklos das Hamsterrad am Laufen halten. Genau das aber erzeugt Ängste. Menschen, die immer nur funktionieren, die nicht das Leben ausprobieren, die immer Angst vor den möglichen Konsequenzen ihres Handelns haben, die ihr Verstand ihnen „flüstert“, verlieren eine ungeheure Menge an Lebensenergie und Lebensqualität. Kein Wunder also, dass ein Jahr eher als „anstrengend“ denn als „bereichernd“ empfunden wird, denn die Muster und Maßstäbe, die durch äußere Einflüsse (besonders Medien) unseren Verstand „befeuern“, sind heutzutage derart denaturiert und entkoppelt von dem, um was es wirklich im Leben geht, dass unser Empfinden des Erlebten überwiegend negativ geprägt ist.
Mein Plädoyer für 2017: seid mutig, probiert Euer Leben aus, lasst Euch nicht von Ängsten leiten, die ein Nährboden für falsche Lebensentscheidungen sind. Der Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther hat es in einem Vortrag trefflich auf den Punkt gebracht: „Liebe ist das womit wir geboren werden, Angst ist das was wir lernen.“ Und warum lernen wir Angst? Weil sich ängstliche Menschen besser steuern lassen, weil ängstliche Menschen mehr konsumieren, mehr krank sind, mehr dem System dienen, das ausschließlich eine Bewertung kennt: materieller Erfolg. Dabei geht es um etwas ganz anderes: um zwischenmenschliche Beziehungen, um Liebe und die Verwirklichung des eigenen Seelenplans. Hier vielleicht eine kleine Inspiration, mit einer wichtigen Frage…:

Ich wünsche Euch für 2017 Frieden, Gesundheit, Glück und den Mut, den ihr braucht, um Eure Pläne zu verwirklichen.

„Zufriedenheitsaktivist“ – Alexander Chylek im Gespräch mit Jens Lehrich

Alexander Chylek ist ein Multitalent: Pilot, Musiker, Lehrbeauftragter an der Universität Eichstätt und seit kurzem auch „Zufriedenheitsaktivist.“ Eine Wortkreation, die beschreibt, was das Ziel seiner Initiative PEACE 300 ist: die Menschen über das Potential der inneren Haltung zur Zufriedenheit zu führen, um damit auch den Weltfrieden zu stärken. Zufriedene Menschen führen keine Kriege, zufriedene Menschen konsumieren weniger und zufriedene Menschen leben gesünder. Zufriedenheit ist der Schlüssel zum Glück, wenn man diese Zufriedenheit nicht im Materiellen, im Äußeren sucht. Die innere Zufriedenheit über Dankbarkeit, Vergebung und bedingungslose Liebe „herzustellen“, ist in unserer Gesellschaft aber immer noch zu sehr im Hintergrund. PEACE 300 will mit 300 Abenden für den Frieden dabei helfen, ein Gefühl dafür zu erzeugen, dass jeder Mensch in der Lage ist, ein zufriedenes Leben zu führen, wenn die Bereitschaft besteht, sich der Faszination der inneren Kraft zu öffnen. Ich habe Alexander Chylek in Eichstätt getroffen, um mit ihm über sein ambitioniertes Projekt zu sprechen. Ein ausführliches Gespräch mit vertiefenden Einsichten findet ihr auf der Website www.peace300.org, die ich an dieser Stelle sehr empfehlen möchte. Wie immer freue ich mich auf Eure konstruktiven Kommentare und wünsche allen Leserinnen und Lesern von ahundredmonkeys.de ein schönes drittes Adventswochenende.

Kommissare im Einsatz

Advent bedeutet: Ankunft. Für die einen ist es die Ankunft Jesu Christi, mir hätte zunächst die Ankunft des Handwerkers gereicht, auf den wir seit Wochen warteten: ein Tischler, der nach einem Wasserschaden bei uns die Fußleisten neu legen sollte. Angekündigt wurde er von der Verwaltung mehrfach, erschienen war er aber leider nicht. Also entschloß ich mich erneut, eine freundliche aber bestimmte Mail an unsere Hausverwaltung zu schreiben, mit der Bitte, die Fußleisten mögen doch noch vor Weihnachten „erledigt“ werden.
Schon am nächsten Tag der Anruf des „vermissten“ Handwerkers. Eine freundliche Männerstimme erklärte mir in gebrochenem deutsch: „Kollege war da aber ging nicht, weil Polizei.“ Ich wiederholte den Satz, um sicherzustellen, dass ich alles richtig verstanden hatte. „Polizei? Was für Polizei?“. „Haus ist versiegelt, Mitarbeiter konnte nicht rein“, schallte es mir entgegen. „Unser Haus, versiegelt, von der Polizei?“ In diesem Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Meine beiden Jungs hatten vor zwei Wochen beim Spielen ein Schild an unsere Haustür geklebt:
Komisa Luca Komisa Paul
Das dieses am Küchentisch selbstgebastelte „Siegel“ eines 9-jährigen solche Auswirkungen haben würde, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ich musste laut lachen und auch der freundliche Handwerker konnte nicht mehr an sich halten. Schön, wenn es in der hektischen Adventszeit noch Anlässe gibt, um fröhlich inne zu halten. Die Fußleisten sind übrigens mittlerweile verlegt, die jungen „Kommissare“ ermitteln weiter. In diesem Sinne wünsche ich allen ahundredmonkeys-Lesern einen fröhlichen zweiten Advent.

„Wir haben es in der Hand!“

Es ist 5 vor 12 für unseren Planeten.
Doch noch können wir zum Frieden zurückfinden. Allerdings nur, wenn wir endlich erkennen, dass die Lösung dafür nicht im Außen liegt. Nicht „die da oben“ sind schuld, nein, wir selbst haben es in der Hand. Wir müssen heraus aus unserer Komfortzone und Veränderungen in unserem Leben herbeiführen, die zunächsteinmal anstrengend wirken aber bei genauerer Betrachtung längst überfällig sind. Raus aus dem Konsumterror – rein in ein erfülltes Leben. Dazu habe ich mir in ahundredmonkeys persönlich meine Gedanken gemacht.

Mach, was Dir wirklich Spaß macht!

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Das neue Plakat der Bundeswehr. Ein Spaß? Ganz sicher nicht. Mir bleibt angesichts der vielen Krisenherde auf unserem Planeten an denen die Bundeswehr beteiligt ist, das Lachen im Halse stecken. „Ab November wird draussen gespielt“ – die Bundeswehr, ein Spiel? Wohl kaum. 30 000 Mal hängen solche Plakate derzeit in ganz Deutschland, 30 000 Mal vermitteln sie die Botschaft, dass die Truppe eine coole, spassige Sache ist. Auf youtube kann man sich die passenden Videos dazu anschauen. Für mich eine moderne Form der Bauernfängerei. Wie weit darf Werbung gehen? In meiner neuen Rubrik ahundredmonkeys persönlich habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht.

Ich freue mich wie immer auf Eure konstruktiven Feedbacks.

Bewusstsein schafft Verantwortung

Meine erste Begegnung mit Ken Jebsen fand im Internet statt. Das war vor etwa einem Jahr. Zunächst war ich irritiert, da mir ein Freund aus Dresden die Beiträge von Jebsen gemailt hatte. Wie konnte gerade er mir so einen politischen Spinner empfehlen? Einen „Verschwörungstheoretiker“ (Wikipedia), einen der so schnell und wütend spricht, dass man wirklich Angst bekommen könnte, wenn das was er sagt, auch nur annähernd der Wahrheit entspräche.

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Ich machte mich auf die Suche, weil ich verstehen wollte, was meinen Freund Michael antrieb, Jebsen zuzuhören. Mein Freund Michael ist ein friedlicher, ein empathischer Mensch, der als Strassenmusiker die Menschen mit seiner Stimme berührt. Er selbst ist vor 12 Jahren aus dem System ausgestiegen, hatte als Bauleiter die Nase voll und lebt seitdem seinen Traum: Musiker. Weil er zu Beginn kein Publikum hatte, das zu ihm kam, entschied er sich zu seinem Publikum zu gehen: auf die Strasse. Ich lernte Michael Pritzke damals in der Fußgängerzone in Erfurt kennen, ich kaufte eine CD von ihm, rief ihn irgendwann an und fragte ihn, ob er nicht einen Produzenten brauche, weil ich von seiner Stimme und seinen Liedern fasziniert war. Wir arbeiteten 2 Jahre intensiv zusammen, stellten aber fest, dass wir zwar menschlich eng verbunden sind, dass unsere beruflichen Ansichten jedoch nicht kongruent laufen. Seitdem sind wir einfach „nur“ befreundet.
Was war also los mit Michael? Ich konterte am Telefon immer wieder, dass Menschen wie Jebsen, mit ihrer Hetze gegen das System, nur für noch mehr Unfrieden sorgen würden, dass wir ihnen besser nicht zuhören sollten. Doch dann entdeckte ich im Laufe meiner Recherchen einen Vortrag von Ken Jebsen an der Waldorfschule Überlingen. Wenn so einer Vorträge an einer Waldorfschule hält, dann kann er nicht so verrückt sein, wie mein Vorurteil mich glauben ließ. Zumal wir zu Hause in vielen Punkten auch ein Freund der Weltanschauung Rudolf Steiners sind. Kurz gesagt: dieser Vortrag von Ken Jebsen änderte meine Sicht Stück für Stück.

Heute – ein knappes Jahr später – bin ich fassungslos.(Filmtipp: DIE DUNKLE SEITE DER WIKIPEDIA)
Auch ein Grund übrigens für die Initiierung dieses Blogs, um besonders meinen Kindern zu dokumentieren, dass wir sehr wohl wussten, was derzeit abläuft. Natürlich ist es mir bewusst, dass das Gefahren in sich birgt. Die größte liegt darin, selbst in der Schublade Verschwörungstheoretiker zu landen. Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser, der diesen Prozess bereits hinter sich hat, hat es einmal so schön in einem Vortrag gesagt: „Wer von der Öffentlichkeit als Verschwörungstheoretiker gestempelt wird, dem hört man nicht mehr zu.“ Dr. Ganser ist das positive Gegenbeispiel für einen Mann, der sich den Rücken nicht verbiegen lässt und dem man sehr wohl zu hört, ja sogar immer mehr Menschen hören ihm zu, und das gibt allen Grund zur Hoffnung: „Am Ende gewinnt immer das Licht“ (Zitat Ken Jebsen aus dem Interview Bewusstsein schafft Verantwortung)

Rückblick: Zwar hatte ich schon immer eine Ahnung, das etwas falsch läuft in unserer Gesellschaft, aber ich habe das unter meinem Konsumzwang erfolgreich verdrängt. Ich war auf genau den Trick hereingefallen, den unser neokapitalistisches System seit Jahren so erfolgreich praktiziert. Ich werde abgelenkt, verliere mich im Detail, reibe mich an einzelnen Personen oder Parteien auf aber behalte nicht das große Ganze im Blick. Genau das aber fehlt uns, genau das soll auch verhindert werden. Wir regen uns über Putin auf und kommen nicht auf die Idee zu schauen, ob es vielleicht Obama auch schlimm treibt. Wir kämpfen gegen Atomkraft, während wir auf der anderen Seite jeden Tag das Erdöl aus den Zapfsäulen in unsere Autos fliessen lassen, das aus Eroberungskriegen stammt, die uns als Peace Keeping Operations verkauft werden.

Menschen, die diese Wahrheiten aussprechen, finden in den Medien kaum noch statt. Und wenn, dann werden sie als Verrückte oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Warum – so frage ich mich – berichten unsere Medien nicht auch über die Friedensdemonstration vorm Kanzleramt, zu der Jebsen vor wenigen Tagen aufgerufen hatte? Mehrere tausend Menschen waren Jebsens Aufruf gefolgt, eine friedliche, berührende Veranstaltung, die nur eine Botschaft hatte: „Nie wieder Krieg“. Warum erfahren wir nichts davon? Warum erfahren wir nur von amerikanischen Generälen, die in ihrem Größenwahn den dritten Weltkrieg geradezu herbeisehnen?
Jeder noch so dumme Spruch eines AFD Politikers bekommt derzeit mehr mediale Aufmerksamkeit als eine Veranstaltung, die den Menschen Hoffnung macht. Hier liegt doch die Vermutung nahe, dass eine Person totgeschwiegen werden soll, die unbequeme Wahrheiten ausspricht. Da reicht es diesen Medien als Argumentation völlig aus, Ken Jebsen sei ein Verschwörungstheoretiker, ein Mann der seinen Job beim rbb (Rundfunk Berlin Brandenburg) verloren hat, weil er angeblich den journalistischen Standarts des Senders nicht genüge. Bitte versteht mich nicht falsch: auch ich kann nicht in den Kopf von Ken Jebsen hineinschauen aber meine Intuition sagt mir, dass er es gut mit unserem Planeten meint.

Keine Frage, Jebsens Worte sind oft schmerzhaft, weil sie an unseren inneren Schweinehund appelieren, endlich aus der Komfortzone herauszutreten und wirklich sinnvolle Dinge zu tun. „Jetzt ist mal Schluß mit shoppen“ – ein Zitat Jebsens, das unsere derzeitige Kultur auf den Punkt bringt. Wir shoppen, schauen auf RTL nackten Prominenten beim fummeln zu und wundern uns, dass unsere Kinder völlig denaturiert in einer egozentrischen Welt aufwachsen, die uns unglücklich und abhängig macht. Unglückliche Menschen lassen sich besser steuern als Glückliche, wer sich dieser Erkenntnis anschließen kann, sollte alles dafür tun, dass Glück endlich in die eigene Hand zu nehmen, nicht darauf zu warten, dass andere dieses Glück bereithalten.

Leider reagieren wir immer erst dann, wenn wir selbst betroffen sind. Dieses Verhalten kann beim Thema Frieden einen bösen Ausgang haben. Und deswegen ist Ken Jebsen für mich persönlich ein mutiger positiv Verrückter, der das lebt, was einst Mahatma Gandhi predigte: sei Du selbst der Wandel, den Du sehen willst. Ich will Frieden sehen, für meine Familie, für mich und für alle Menschen auf dieser Welt und ich bin überzeugt davon: „Wir schaffen das“ – wenn wir heute damit beginnen.

There are no bad plants!

Unkraut zu jäten ist eine undankbare Aufgabe. Besonders dann, wenn man von seinem eigenen Sohn dafür zur Rede gestellt wird. „Papa – warum machst Du das?“ „Weil es mich stört, wenn zwischen den grauen Bodenplatten grüne, undefinierbare Gewächse hervorschauen.“ Aber Paul lässt an diesem sonnigen Morgen in Hamburg nicht locker: „Das sind doch auch Pflanzen“, protestiert er und schaut mich vorwurfsvoll an. Wenn ein 8-jähriger mit voller Überzeugung das Unkraut im eigenen kleinen Stadtgarten verteidigt, berührt mich das. Zumal Paul bereits einen großen Plan für die Zukunft hat. Er will Umweltschützer werden oder Sänger oder beides, in jedem Fall will er verhindern, dass ich dem Unkraut an den Kragen gehe. In einer engagierten Diskussion einigen wir uns darauf, dass das bereits gezupfte Unkraut nicht wieder eingepflanzt werden muss (mit dieser Forderung war er gleich an mich herangetreten), dafür aber das noch bestehende Unkraut bestehen bleibt. Paul dreht sich um und ist zufrieden mit seinem Werk, ich hingegen stehe mit einem Bündel Unkraut in der Hand vor der grünen Gartentonne und habe ein schlechtes Gewissen.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an unseren Urlaub in Süditalien vor zwei Jahren auf einer kleinen Farm in den Bergen. Der Betreiber Francesco hatte uns nach der Ankunft voller Stolz seine auf Permakultur basierende Oase gezeigt und einen Satz gesagt, der sich seitdem eingeprägt hat: „There are no bad plants!“ – es gibt keine schlechten Pflanzen. Francesco sagte das damals mit einer solch großen Überzeugung, dass niemand der kleinen Reisegruppe es gewagt hätte, dem zu widersprechen. Alles in der Natur hat einen Sinn, auch Unkraut – auch Stubenfliegen und auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren: Stechmücken. Früher habe ich diese kleinen Plagegeister unkompliziert mit einem Zewa Wisch und Weg Tuch entfernt, heute muss ich sie mit Snapy „retten“. Übrigens auch eine Anweisung von Paul. Snapy ist ein kleines weißgrünes Plastikgerät, ein sogenannter Insektenfänger, der bei uns zu Hause fast täglich zum Einsatz kommt. Die Insekten werden in eine kleine Klappe gelockt und dann wieder an die frische Luft gesetzt, bis sie dann am Ende doch wieder im Haus landen. Ein schönes Spiel, das besonders dann richtig viel Spaß macht, wenn der junge Umweltschützer mal wieder nicht schlafen kann, weil Fliegen oder Mücken in seinem Zimmer für großen Aufruhr sorgen.
An diesem Morgen jedenfalls beende ich die Gartenarbeit, setze mich auf die Liege und versuche das Schöne auch im Unkraut zwischen den Bodenplatten zu sehen, mit der Erkenntnis, dass Respekt vor allem Lebendigen sicher auch dazu beitragen kann, diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.