„Wir haben es in der Hand!“

Es ist 5 vor 12 für unseren Planeten.
Doch noch können wir zum Frieden zurückfinden. Allerdings nur, wenn wir endlich erkennen, dass die Lösung dafür nicht im Außen liegt. Nicht „die da oben“ sind schuld, nein, wir selbst haben es in der Hand. Wir müssen heraus aus unserer Komfortzone und Veränderungen in unserem Leben herbeiführen, die zunächsteinmal anstrengend wirken aber bei genauerer Betrachtung längst überfällig sind. Raus aus dem Konsumterror – rein in ein erfülltes Leben. Dazu habe ich mir in ahundredmonkeys persönlich meine Gedanken gemacht.

Mach, was Dir wirklich Spaß macht!

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Das neue Plakat der Bundeswehr. Ein Spaß? Ganz sicher nicht. Mir bleibt angesichts der vielen Krisenherde auf unserem Planeten an denen die Bundeswehr beteiligt ist, das Lachen im Halse stecken. „Ab November wird draussen gespielt“ – die Bundeswehr, ein Spiel? Wohl kaum. 30 000 Mal hängen solche Plakate derzeit in ganz Deutschland, 30 000 Mal vermitteln sie die Botschaft, dass die Truppe eine coole, spassige Sache ist. Auf youtube kann man sich die passenden Videos dazu anschauen. Für mich eine moderne Form der Bauernfängerei. Wie weit darf Werbung gehen? In meiner neuen Rubrik ahundredmonkeys persönlich habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht.

Ich freue mich wie immer auf Eure konstruktiven Feedbacks.

Bewusstsein schafft Verantwortung

Meine erste Begegnung mit Ken Jebsen fand im Internet statt. Das war vor etwa einem Jahr. Zunächst war ich irritiert, da mir ein Freund aus Dresden die Beiträge von Jebsen gemailt hatte. Wie konnte gerade er mir so einen politischen Spinner empfehlen? Einen „Verschwörungstheoretiker“ (Wikipedia), einen der so schnell und wütend spricht, dass man wirklich Angst bekommen könnte, wenn das was er sagt, auch nur annähernd der Wahrheit entspräche.

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Ich machte mich auf die Suche, weil ich verstehen wollte, was meinen Freund Michael antrieb, Jebsen zuzuhören. Mein Freund Michael ist ein friedlicher, ein empathischer Mensch, der als Strassenmusiker die Menschen mit seiner Stimme berührt. Er selbst ist vor 12 Jahren aus dem System ausgestiegen, hatte als Bauleiter die Nase voll und lebt seitdem seinen Traum: Musiker. Weil er zu Beginn kein Publikum hatte, das zu ihm kam, entschied er sich zu seinem Publikum zu gehen: auf die Strasse. Ich lernte Michael Pritzke damals in der Fußgängerzone in Erfurt kennen, ich kaufte eine CD von ihm, rief ihn irgendwann an und fragte ihn, ob er nicht einen Produzenten brauche, weil ich von seiner Stimme und seinen Liedern fasziniert war. Wir arbeiteten 2 Jahre intensiv zusammen, stellten aber fest, dass wir zwar menschlich eng verbunden sind, dass unsere beruflichen Ansichten jedoch nicht kongruent laufen. Seitdem sind wir einfach „nur“ befreundet.
Was war also los mit Michael? Ich konterte am Telefon immer wieder, dass Menschen wie Jebsen, mit ihrer Hetze gegen das System, nur für noch mehr Unfrieden sorgen würden, dass wir ihnen besser nicht zuhören sollten. Doch dann entdeckte ich im Laufe meiner Recherchen einen Vortrag von Ken Jebsen an der Waldorfschule Überlingen. Wenn so einer Vorträge an einer Waldorfschule hält, dann kann er nicht so verrückt sein, wie mein Vorurteil mich glauben ließ. Zumal wir zu Hause in vielen Punkten auch ein Freund der Weltanschauung Rudolf Steiners sind. Kurz gesagt: dieser Vortrag von Ken Jebsen änderte meine Sicht Stück für Stück.

Heute – ein knappes Jahr später – bin ich fassungslos.(Filmtipp: DIE DUNKLE SEITE DER WIKIPEDIA)
Auch ein Grund übrigens für die Initiierung dieses Blogs, um besonders meinen Kindern zu dokumentieren, dass wir sehr wohl wussten, was derzeit abläuft. Natürlich ist es mir bewusst, dass das Gefahren in sich birgt. Die größte liegt darin, selbst in der Schublade Verschwörungstheoretiker zu landen. Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser, der diesen Prozess bereits hinter sich hat, hat es einmal so schön in einem Vortrag gesagt: „Wer von der Öffentlichkeit als Verschwörungstheoretiker gestempelt wird, dem hört man nicht mehr zu.“ Dr. Ganser ist das positive Gegenbeispiel für einen Mann, der sich den Rücken nicht verbiegen lässt und dem man sehr wohl zu hört, ja sogar immer mehr Menschen hören ihm zu, und das gibt allen Grund zur Hoffnung: „Am Ende gewinnt immer das Licht“ (Zitat Ken Jebsen aus dem Interview Bewusstsein schafft Verantwortung)

Rückblick: Zwar hatte ich schon immer eine Ahnung, das etwas falsch läuft in unserer Gesellschaft, aber ich habe das unter meinem Konsumzwang erfolgreich verdrängt. Ich war auf genau den Trick hereingefallen, den unser neokapitalistisches System seit Jahren so erfolgreich praktiziert. Ich werde abgelenkt, verliere mich im Detail, reibe mich an einzelnen Personen oder Parteien auf aber behalte nicht das große Ganze im Blick. Genau das aber fehlt uns, genau das soll auch verhindert werden. Wir regen uns über Putin auf und kommen nicht auf die Idee zu schauen, ob es vielleicht Obama auch schlimm treibt. Wir kämpfen gegen Atomkraft, während wir auf der anderen Seite jeden Tag das Erdöl aus den Zapfsäulen in unsere Autos fliessen lassen, das aus Eroberungskriegen stammt, die uns als Peace Keeping Operations verkauft werden.

Menschen, die diese Wahrheiten aussprechen, finden in den Medien kaum noch statt. Und wenn, dann werden sie als Verrückte oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Warum – so frage ich mich – berichten unsere Medien nicht auch über die Friedensdemonstration vorm Kanzleramt, zu der Jebsen vor wenigen Tagen aufgerufen hatte? Mehrere tausend Menschen waren Jebsens Aufruf gefolgt, eine friedliche, berührende Veranstaltung, die nur eine Botschaft hatte: „Nie wieder Krieg“. Warum erfahren wir nichts davon? Warum erfahren wir nur von amerikanischen Generälen, die in ihrem Größenwahn den dritten Weltkrieg geradezu herbeisehnen?
Jeder noch so dumme Spruch eines AFD Politikers bekommt derzeit mehr mediale Aufmerksamkeit als eine Veranstaltung, die den Menschen Hoffnung macht. Hier liegt doch die Vermutung nahe, dass eine Person totgeschwiegen werden soll, die unbequeme Wahrheiten ausspricht. Da reicht es diesen Medien als Argumentation völlig aus, Ken Jebsen sei ein Verschwörungstheoretiker, ein Mann der seinen Job beim rbb (Rundfunk Berlin Brandenburg) verloren hat, weil er angeblich den journalistischen Standarts des Senders nicht genüge. Bitte versteht mich nicht falsch: auch ich kann nicht in den Kopf von Ken Jebsen hineinschauen aber meine Intuition sagt mir, dass er es gut mit unserem Planeten meint.

Keine Frage, Jebsens Worte sind oft schmerzhaft, weil sie an unseren inneren Schweinehund appelieren, endlich aus der Komfortzone herauszutreten und wirklich sinnvolle Dinge zu tun. „Jetzt ist mal Schluß mit shoppen“ – ein Zitat Jebsens, das unsere derzeitige Kultur auf den Punkt bringt. Wir shoppen, schauen auf RTL nackten Prominenten beim fummeln zu und wundern uns, dass unsere Kinder völlig denaturiert in einer egozentrischen Welt aufwachsen, die uns unglücklich und abhängig macht. Unglückliche Menschen lassen sich besser steuern als Glückliche, wer sich dieser Erkenntnis anschließen kann, sollte alles dafür tun, dass Glück endlich in die eigene Hand zu nehmen, nicht darauf zu warten, dass andere dieses Glück bereithalten.

Leider reagieren wir immer erst dann, wenn wir selbst betroffen sind. Dieses Verhalten kann beim Thema Frieden einen bösen Ausgang haben. Und deswegen ist Ken Jebsen für mich persönlich ein mutiger positiv Verrückter, der das lebt, was einst Mahatma Gandhi predigte: sei Du selbst der Wandel, den Du sehen willst. Ich will Frieden sehen, für meine Familie, für mich und für alle Menschen auf dieser Welt und ich bin überzeugt davon: „Wir schaffen das“ – wenn wir heute damit beginnen.

There are no bad plants!

Unkraut zu jäten ist eine undankbare Aufgabe. Besonders dann, wenn man von seinem eigenen Sohn dafür zur Rede gestellt wird. „Papa – warum machst Du das?“ „Weil es mich stört, wenn zwischen den grauen Bodenplatten grüne, undefinierbare Gewächse hervorschauen.“ Aber Paul lässt an diesem sonnigen Morgen in Hamburg nicht locker: „Das sind doch auch Pflanzen“, protestiert er und schaut mich vorwurfsvoll an. Wenn ein 8-jähriger mit voller Überzeugung das Unkraut im eigenen kleinen Stadtgarten verteidigt, berührt mich das. Zumal Paul bereits einen großen Plan für die Zukunft hat. Er will Umweltschützer werden oder Sänger oder beides, in jedem Fall will er verhindern, dass ich dem Unkraut an den Kragen gehe. In einer engagierten Diskussion einigen wir uns darauf, dass das bereits gezupfte Unkraut nicht wieder eingepflanzt werden muss (mit dieser Forderung war er gleich an mich herangetreten), dafür aber das noch bestehende Unkraut bestehen bleibt. Paul dreht sich um und ist zufrieden mit seinem Werk, ich hingegen stehe mit einem Bündel Unkraut in der Hand vor der grünen Gartentonne und habe ein schlechtes Gewissen.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an unseren Urlaub in Süditalien vor zwei Jahren auf einer kleinen Farm in den Bergen. Der Betreiber Francesco hatte uns nach der Ankunft voller Stolz seine auf Permakultur basierende Oase gezeigt und einen Satz gesagt, der sich seitdem eingeprägt hat: „There are no bad plants!“ – es gibt keine schlechten Pflanzen. Francesco sagte das damals mit einer solch großen Überzeugung, dass niemand der kleinen Reisegruppe es gewagt hätte, dem zu widersprechen. Alles in der Natur hat einen Sinn, auch Unkraut – auch Stubenfliegen und auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren: Stechmücken. Früher habe ich diese kleinen Plagegeister unkompliziert mit einem Zewa Wisch und Weg Tuch entfernt, heute muss ich sie mit Snapy „retten“. Übrigens auch eine Anweisung von Paul. Snapy ist ein kleines weißgrünes Plastikgerät, ein sogenannter Insektenfänger, der bei uns zu Hause fast täglich zum Einsatz kommt. Die Insekten werden in eine kleine Klappe gelockt und dann wieder an die frische Luft gesetzt, bis sie dann am Ende doch wieder im Haus landen. Ein schönes Spiel, das besonders dann richtig viel Spaß macht, wenn der junge Umweltschützer mal wieder nicht schlafen kann, weil Fliegen oder Mücken in seinem Zimmer für großen Aufruhr sorgen.
An diesem Morgen jedenfalls beende ich die Gartenarbeit, setze mich auf die Liege und versuche das Schöne auch im Unkraut zwischen den Bodenplatten zu sehen, mit der Erkenntnis, dass Respekt vor allem Lebendigen sicher auch dazu beitragen kann, diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Bewusstsein schafft Gesundheit – Kinderärztin Claudia Reiter im Gespräch

ahundredmonkeys.de stellt Menschen vor, die neue Wege gehen, die für Frieden und Freiheit stehen, die Dinge anders und besser machen als der Mainstream, zum Wohle der Menschheit. Claudia Reiter ist Kinderärztin in Hamburg mit homöopathischem Schwerpunkt. Eine Kombination, die es leider noch viel zu selten gibt, zumal ich selbst die heilende Kraft der Homöopathie immer wieder erfahren durfte. Auch bei meinen Kindern wirkt die Homöopathie mit einer unglaublich positiven „Wucht“, so daß ich Frau Reiter gebeten habe, mir dieses sehr persönliche Interview über Ihre Arbeit in ihrer privaten Kinderarztpraxis in Hamburg zu geben. Eine Arbeit, die viel Zeit und Einsatz erfordert und am Ende durch das derzeitige Gesundheitssystem nur sehr unzureichend gefördert wird. Ich bin dankbar für dieses offene Gespräch, da Frau Reiter selbst nicht wirklich gern vor einer Kamera steht. Umso mehr freue ich mich, dass ich dieses Interview mit ihr aufzeichnen konnte, das eine weitere Brücke zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden schlagen soll.

Auszeit vom Terror

Die Schlagzeilen derzeit sind düster. Nizza, Würzburg, München, Ansbach. Jeden Tag eine Flut an Horror. „Terrorangst treibt Hauspreise an Nord- und Ostsee“, schreibt unterdessen die WELT, immer mehr Menschen suchen angeblich nach nahe gelegenen „Zufluchtsorten“. Aber wovor fliehen wir eigentlich? Und warum überhaupt haben wir Angst vor Terror? Die Wahrscheinlichkeit an einer verschluckten Fischgräte zu sterben, ist statistisch angeblich deutlich größer, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Warum warnen uns die Medien nicht vor Fisch? Eine Frage, die einfach zu beantworten ist, weil Fisch nicht die Auflage erhöht oder die Einschaltquoten.
Jetzt wäre es allerdings zu einfach, den Mainstream Medien die alleinige Schuld für ihren „Angst-Journalismus“ in die Schuhe zu schieben. Schließlich braucht es auch den User, der genau diese Nachrichten konsumieren möchte. Und davon gibt es mehr als genug.
Unsere unbewusste Sucht nach Negativem zeigt sich auch immer wieder bei schrecklichen Unfällen auf der Autobahn: anstelle zügig vorbeizufahren, entstehen die typischen „Gaffer-Staus“ – immer schön langsam an den Unfallort heranschleichen und am besten noch die Kamera zücken, um ein Foto vom Leid der anderen zu schiessen. Sie merken, worauf ich hinaus will: die Gier(Neugier) nach Leid und Angst scheint in unserer Gesellschaft tief verwurzelt zu sein.Kaufen wir die täglichen Terrorschlagzeilen nicht mehr, dann wird sie auch niemand mehr drucken.
Angst ist kein guter Berater und tatsächlich versuche ich es immer wieder, bei Ereignissen wie Nizza, Würzburg oder München deutlich weniger Mainstream-Medien zu konsumieren, weil sie mir ausser noch mehr Angst keinen weiteren Vorteil bieten. Was genau bringt es mir als Hamburger (rund 800 Kilometer von München entfernt), wenn ich im Live Ticker die Morde von München verfolge? Wenn ich mir auf BILD.de Videos davon anschaue, wie ein junger Mörder auf wehrlose Menschen schiesst, wenn ich minütlich neue Tickermeldungen zu Nizza oder Würzburg auf mein Smartphone bekomme, kann ich dadurch irgendjemandem helfen? Bin ich dadurch tatsächlich so gut gewarnt, dass mir ähnliches in Hamburg nicht passieren kann? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, ich fühle mich auch in Hamburg unsicher, das Böse ist plötzlich überall. WEM helfe ich damit?

Reicht es eigentlich nicht vollkommen aus, die einmalige Nachricht zur Kenntnis zu nehmen, für die Opfer zu beten und ihnen durch Meditation Kraft und Mitgefühl zu schicken? Mich legt der mediale Dauerkonsum solcher Ereignisse völlig lahm und deswegen entziehe ich mich ihm immer mehr. Negative Nachrichten bringen doch nur dann einen Vorteil, wenn wir unser Handeln dadurch tatsächlich zum positiven verändern. Aber tun wir das? Wenn wir hören, wie dramatisch es um unsere Umwelt steht, ändern wir unser Verhalten? Wenn wir hören, wieviele Menschen auf dieser Welt arm sind, schicken wir ihnen dann automatisch etwas von unserem Überfluss? Wenn wir hören, dass im Irak 500 000 Kinder unter 5 Jahren durch die Auswirkungen des Embargos der Amerikaner ums Leben gekommen sind, machen wir uns dann auf den Weg – z.B. aktuell nach Rammstein, um gegen Drohnen zu demonstrieren, die nachweislich pro Drohne auch rund 40 unschuldige Zivilopfer fordern? Ich habe den Eindruck, dass wir negative Schlagzeilen nur noch dann wirklich wahrnehmen, wenn sie bei uns direkte Todes-Angst erzeugen und genau deswegen bekommen wir derzeit so viele davon. Mein Rat: nehmen Sie eine mediale Auszeit, verzichten sie auf die Berieselung mit Dauer-Terror, schauen Sie sich vor allem positive Filme und Sendungen an, die nach der Wahrheit suchen (besonders auch im Internet), die ihr Weltbild zum Frieden hin korrigieren, die ihr kreatives, seelisches Wachstum fördern. Wenn viele mitmachen, können wir über unser kollektives Bewusstsein der Angst die Existenzgrundlage entziehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Der Sache endlich auf den Grund gehen!

Eine Schweigeminute für die Opfer von Nizza. In der Sparkassenarena in Kiel steht an diesem Samstag für einen kurzen Moment die Welt still. 10 000 Menschen gedenken der Toten des jüngsten Terroranschlages in Frankreich, der uns über die Medien seit Tagen in unser Bewusstsein „geschaufelt“ wird. Eine weitere bedrückende Nachricht macht an diesem Abend die Runde: der französische Präsident Hollande beruft alle Reservisten ein, leicht gedrückte Stimmung in der VIP LOUNGE, was hat das nun wieder zu bedeuten?
Ich bin offen und ehrlich: ich kann mich an diesem Abend auf die Schweigeminute nicht richtig konzentrieren. Ein Gedanke huscht mir immer wieder durch den Kopf: warum gedenkt eigentlich niemand der Opfer, die durch weltweite militärische Operationen unschuldig ums Leben kommen, die unter dem Deckmantel von „Peacekeeping Operations“ angeblich den weltweiten Frieden sichern sollen und dabei so viel Unheil unter der Zivilbevölkerung anrichten? Drohnen aus Ramstein, Kriege, wie der Irak 2003, die mit einer Lüge legitimiert wurden, jetzt Syrien, vielleicht Morgen der Iran oder gar Russland? Irgendwie fühlt sich das Mitleid in der Sparkassenarena einseitig und aufgesetzt an, aber alle machen mit, weil es sich natürlich nicht gehört, solche Momente kritisch zu hinterfragen.
Auch ich fühle mich irgendwie schlecht mit meinen Gedanken, weil mir natürlich die Opfer in Nizza und die Menschen unendlich leid tun, die Angehörige bei diesem feigen Anschlag verloren haben. Ich selbst habe drei großartige Kinder, eine wunderbare Frau, eine tolle Familie und mag mir nicht vorstellen, was es bedeutet, Angehörige durch Terror zu verlieren.
Dennoch tun mir eben auch die Menschen leid, von denen wir in unseren Medien kaum etwas mitbekommen, die unschuldig sterben, weil sie in einem Land leben, das unter terroristischem Generalverdacht steht. Das Interview mit Eugen Drewermann in Paderborn hat mir die Augen noch weiter geöffnet:

Wir gedenken nur dann, wenn unser eigenes auf Überfluss und Ausbeutung basierendes System in Gefahr gerät. Aber haben nicht alle Zivilisten, die unschuldig durch Militärgewalt sterben, ein Recht auf Gedenkminuten? Müssten wir nicht auch viel häufiger den Menschen gedenken, die an Hunger in der dritten Welt sterben, während wir hier vor lauter Überfluß nahezu aus allen Nähten „platzen“?

Und müssten wir nicht vor allem der Sache endlich einmal auf den Grund gehen? Uns fragen, warum es immer mehr gewaltbereite Verrückte auf dieser Welt gibt? Warum fiebern junge Männer und Frauen darauf, sich als Terroristen in die Luft zu sprengen und dabei unzählige Zivilisten mit in den Tod zu reissen? Kommen diese Menschen schon als Mörder auf die Welt? Oder hat es am Ende nicht doch auch damit zu tun, dass die Ausbeutung immer skrupelloser wird, dass weltweit die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft? Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir das alles immer nur auf deren extremistische Religion schieben? Wie kann ein Mensch Liebe geben, wenn er von Anfang an nur Hass und bittere Armut erfährt? Müssten wir nicht genau an dieser Stelle ansetzen und dafür sorgen, dass der Hass weniger wird. Tun wir gerade nicht alles dafür, dass genau das nicht geschieht? Mit immer mehr Waffen erzeugen wir doch keine Liebe. Wann wird uns das und vor allem der Politik endlich bewusst? Oder anders gefragt, wann wird Frieden endlich wieder mit friedlichen Mitteln herbeigeführt?

Interessanterweise bin ich mit meinen Gedanken nicht allein. Natürlich will niemand der erste sein, der diese Dinge äußert, aber wenn man es dann doch tut, stellt sich schnell heraus, dass die meisten Gäste in der Arena an diesem Abend mit denen ich spreche ähnlich denken. Besonders ein Statement eines Geschäftspartners trifft den Nagel auf den Kopf: „Wir können unser derzeitiges System nur dann aufrechterhalten, wenn wir die Wahrheit verdrängen“. Genau diese Verdrängung macht unsere Welt aber zu einer tickenden Zeitbombe.

Was können wir also tun? Die Wahrheit zu erkennen, ist der erste richtige Schritt. Ins Handeln zu kommen, ebenso unverzichtbar. Aus meiner Sicht kann jeder einzelne von uns persönlichen Frieden ausstrahlen und dazu beitragen, dass auch andere davon angesteckt werden. Je mehr, umso besser für das Ganze. Seien Sie der erste, der den Kreislauf von Aggression in ihrem persönlichen Umfeld unterbricht. Schon kleine Gesten im Alltag bewirken Wunder. Seien Sie freundlich zu ihren Mitmenschen, selbst wenn diese zunächst unfreundlich sind. Nimmt man Ihnen die Vorfahrt, lächeln Sie entspannt, will sich in der Supermarktschlange jemand vordrängeln, treten Sie locker einen Schritt zurück, sucht ein Kollege Streit, begegnen Sie ihm mit Gelassenheit. Durchbrechen Sie einfach ab und zu den Kreislauf von Aggression in allen Lebenslagen, zähmen sie den Drachen in sich, und Sie werden sehen, dass sich Ihr Umfeld sofort friedlich zum positiven verändert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem kleinen Experiment und eine friedliche Woche!

Jens Lehrich

Bewusstsein schafft Menschlichkeit – EUGEN DREWERMANN im Gespräch

„Wachstum ist fortschreitende Zerstörung“ – der ehemalige Priester, Kirchenkritiker und heutige Autor und Friedensaktivist Eugen Drewermann bringt die Sache auf den Punkt. Über 80 Bücher hat der 76-jährige bis heute geschrieben, Drewermann rüttelt auf und appelliert an das System, endlich wieder die Menschlichkeit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Dabei äußert er seine Gedanken zu Brexit, IS und den Rohstoffkriegen der USA genau so deutlich, wie die Wichtigkeit mit der Religion einen Ort zu schaffen, in dem der Mensch einfach nur Mensch sein kann. Ein Gespräch, das unter die Haut geht, das nur einen Schluß zulässt: wir müssen endlich mehr für den Frieden auf dieser Welt einstehen.