„Attention aux Pickpockets“

Mit einem Taxi sind wir nicht nach Paris gefahren.
Auch nicht mit der Bahn, was möglicherweise, unter ökologischen Gesichtspunkten, die richtige Entscheidung gewesen wäre. Eurowings jedenfalls hat uns, meine Frau, meine beiden Kinder und mich an diesem 2. August auf dem Flughafen Charles de Gaulle „ausgekippt“ (Fachsprache bei Billig-Fliegern), ein extra bestellter Hotel VIP-Shuttle (der übrigens nur aufgrund des hohen Fahrpreises so heißt) der Firma Sixt, die sich dann natürlich vor Ort nicht zuständig fühlte, weil ein Subunternehmer diesen Shuttle betreibt, war nicht vor Ort und so begann diese Städtereise mit exakt den kleinen Widrigkeiten, die einem garantieren, dass man am Ende etwas zu erzählen hat.

Zum Beispiel dies: Seit Paris habe ich eine neue kleine Zwangsneurose, ständig kontrolliere ich, ob mein Handy und mein Portemonnaie noch bei mir sind, und dass obwohl ich die französische Hauptstadt schon längst wieder verlassen habe und in Hamburg in meinem Büro sitze. Mein Gehirn hat wahrscheinlich noch nicht mitbekommen, dass ich bereits wieder in Deutschland bin, es scheint sich wohl zu fühlen auf dem breitgetrampelten Pfad der sogenannten Pickpockets, zu deutsch: Taschendiebe, vor denen man in Paris an jeder Ecke so häufig gewarnt wird, dass man zeitweise sogar Angst um seine Unterhose hat.

Die Frage, ob zurecht, stellt sich dem einfachen Paris-Touristen nicht, schließlich habe ich selten beim „Betreten“ einer Großstadt so viele Polizisten und Soldaten auf den Straßen gesehen, die behangen mit Sturmgewehren, Granaten und Handfeuerwaffen so ausschauen, dass man ihnen zurufen möchte: „Bitte nicht stolpern“.

Pickpockets, überall Pickpockets, ein Blick auf die Details:

Auf den Champs-Élysées ist an diesem Sonntag autofrei, Fußgänger werden an sogenannten Durchlaufsperren auf Herz und Nieren geprüft doch der einzige Diebstahl, der uns hier passiert, ist der Preis für je zwei Kugeln Eis: 26 Euro grinst der freundliche Verkäufer hinterm Tresen und ich denke kurz darüber nach, ob ich nicht dort einmal das französische Militär vorbeischicken sollte, um diesen offiziellen Taschendiebstahl zu ahnden.

Auch in Marais, einem kreativen Viertel im dritten und vierten Arrondissement erleben wir eine kleine Enttäuschung, wieder kein Pickpocket! Der plötzlich neben uns stehende junge Mann will uns tatsächlich nur bei der Suche nach dem Weg helfen. Mit den Worten: „It seems you need help“, erklärt er uns geduldig, wie wir am besten zu unserem Restaurant kommen auch er führt nichts Böses im Schilde. Sogar auf dem Eifelturm: Taschendieb-Fehlanzeige, im Louvre: Fehlanzeige, Montmartre und Sacré Coeur: kein Pickpocket weit und breit.

Spät zurück in unserem kleinen Hotel erwartet uns an diesem „pickpocketfreien“ Tag eine ganz besondere Überraschung: die Zimmertür lässt sich nicht mehr öffnen, das verzweifelte Personal zeigt uns gegenüber in dieser Situation eine Freundlichkeit und Herzenswärme, die ich auf meinen Reisen nur selten erlebt habe, mein Vorschlag möglicherweise einen Pickpocket zum öffnen der Tür zu engagieren, sorgt kurzfristig für Erheiterung. Bilanz: die Tür blieb zu, wir bekamen ein neues Zimmer und mussten für diese Nacht nichts bezahlen. Auch das noch, nicht nur nicht beklaut sondern auch noch eine gratis Nacht, incredible!

Die völlig unerwartete Bilanz dieser Reise: Handys, Portemonnaies und Unterhosen sind noch da, rein gar nichts fehlt und nun hat neben der geschenkten Nacht im Hotel gerade auch noch der wirklich richtig verdächtig nach einem Abzocker aussehende Taxifahrer (Typische BILDZEITUNG Terroristen Feindbildgenese) aus eigenen Stücken 2 Euro auf den Fahrpreis nachgelassen und sich entschuldigt, dass er versehentlich einen Umweg gefahren ist. Ich bin sprachlos und gebe 4 Euro Trinkgeld, um meiner persönlichen Freude über so viel Ehrlichkeit Ausdruck zu verleihen.

Warum erzähle ich diese kleine persönliche Reise-Geschichte? Weil sie verdeutlicht, welche Vorurteile wir aufbauen und automatisch in unserem Gehirn abspeichern, wenn uns Angst gemacht wird. Natürlich gibt es haufenweise Taschendiebstahl in Paris, allein die Gebühren am EC Automaten fallen unter diese Kategorie – aber : Die meisten Menschen sind ehrlich, hilfsbereit und charmant. Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen, denn nur so erkennen wir das Gute in fremden Menschen, das so wichtig ist, um gemeinsam Frieden zu schaffen und die permanent medial getriggerte Spaltung zu überwinden.

Am Ende ist dann übrigens bei dieser Reise doch noch etwas abhanden gekommen:

Mein 80 Euro teurer Leatherman, der versehentlich noch im zwölften Reißverschluss-Seitenfach meines Fjällräven (Wie spricht man das nun eigentlich aus?) Camping-Rucksacks steckte, wurde mir von dem unfreundlich schauenden Beamtem bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen abgenommen. Nennen wir es wenigstens einen kleinen Taschendiebstahl. Und wo waren nun die echten Pickpockets? Na klar, jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: es ist August, auch Taschendiebe müssen einmal Urlaub machen.

In diesem Sinne: gutes, angstfreies Reisen!

„Krieg ist heilbar…“

Es gibt Momente im Leben, da passt einfach alles: der 27.Mai war so ein Tag, bestes Sommerwetter, eine großartige Kulisse, ein wunderbarer Co. Moderator, Florian Ernst Kirner (besser bekannt als Prinz Chaos II.) und unglaublich tolle, berührende Gäste, Dr. Daniele Ganser und Prof. Franz Ruppert. Dieses Gespräch erreicht hoffentlich viele Menschen, da es helfen kann, den eigenen „inneren Krieg“ zu beenden, um insbesondere auch den „äußeren, weltweiten Frieden“ zu stärken. Viel Spaß und viele neue Erkenntnisse!

RUBIKON: Im Gespräch: „Krieg ist heilbar!“ (Daniele Ganser und Franz Ruppert)

Die Magie des Lebens – gibt es eine Glücksformel?

Was ist Glück und wie entsteht es? Mit dieser grundlegenden Frage beschäftigt sich die Menschheit seit Urzeiten. Doch das Ergebnis, das die Wissenschaft uns bietet, ist nicht befriedigend. Einige Menschen, die alles haben, sind unglücklich, während andere, die vom Schicksal erschüttert wurden, wahres Glück empfinden. Wie kann das sein? Nach unserem derzeit gelebten Konzept von Glück müsste doch derjenige, der nach den Maßstäben der Gesellschaft erfolgreich ist, auch dauerhaft und rundum glücklich sein. Warum ist das nicht so? Schließlich tun wir doch alles dafür, in eine erfolgreiche Position mit materiellem Reichtum zu gelangen.
Weil das wahre Glück ein anderes ist und sich nicht so einfach offenbart. Weil wir eine falsche Vorstellung von Glück leben, eine, welche ausschließlich dem Konzept des Materialismus dient. Ein Glück, das uns unfrei macht, ein Glück, für das wir uns versklaven, Verpflichtungen eingehen, die kein übergeordnetes Ziel, sondern nur finanziellen Ertrag kennen. Doch die gute Nachricht dabei ist:
Wahrhaftiges, ehrliches, sinnstiftendes Glück kennt weder arm noch reich. So ein Glück ist ein Zustand, den wir aus unserer inneren Einstellung dem Leben gegenüber jederzeit abrufen können, wenn wir unser Verständnis vom Leben grundsätzlich neu ausrichten und einen spirituellen Mechanismus entdecken, der uns dabei hilft.

Ein solcher Mechanismus ist zum Beispiel die Rückverbindung mit der Natur. Die Erkenntnis, wie fantastisch unser Leben auf diesem Planeten organisiert ist, die Wiederentdeckung von Achtsamkeit für die kleinen und die großen Wunder des Lebens, die wir in unserem hektischen Alltag nicht mehr sehen. Würden wir jeden Morgen mit einer kleinen positiven Nachricht geweckt werden, die uns genau daran erinnert, wie einzigartig und voller berührender Momente unser Leben ist, unsere Welt wäre schlagartig eine andere.
Wir würden endlich mit offenem Herzen durchs Leben gehen und das wahre Glück in Situationen erkennen, in denen wir es mit unserem heutigen Blick nicht vermuten. So eine Situation erlebte ich Anfang September 2017, es war die Nacht, in der mein Vater starb. Es war eine besonders klare Nacht und für mich der emotionalste Moment in meinem bisherigen Leben. Ich war ruhig und gefasst, weil der Tod sich lange angekündigt hatte. Die Traurigkeit über das, was mir bevorstand, hatte sich in ein Gefühl bedingungsloser Bewunderung dem Leben gegenüber aufgelöst.

In keinem anderen Augenblick habe ich je mehr über das Wunder des Lebens erfahren dürfen als in diesen Stunden.
Ich war erfüllt davon, bei meinem Vater sein zu dürfen, zu sehen, wie sich sein schmerzverzerrter, von schwerer Krankheit geprägter Gesichtsausdruck, in ein friedliches Lächeln verwandelt hatte. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal fühlen können, dass mit dem Tod das Leben nicht beendet ist, dass es auf einer anderen lichtvollen Ebene weitergeht, die wir mit unserem begrenzten Verstand niemals werden begreifen können.
Ich habe neben der tiefen Traurigkeit in dieser Septembernacht tatsächlich so etwas wie Glück empfunden, Glück darüber, meinen Vater in eine andere Dimension begleitet haben zu dürfen, Glück darüber, dass mein Vater nicht mehr leiden musste, Glück darüber, dass der Tod mir ein unerwartet anderes Gesicht gezeigt hat, ein gnädiges, ein erlösendes, gar ein befreiendes. Der Tod meines Vaters hat in dieser Nacht mein Herz noch stärker geöffnet für das Wunder des Lebens. Aber was für eine Art von Glück ist das eigentlich, das man selbst in schwersten Momenten empfinden kann?

Wenn man sich ein neues Auto kauft oder eine schöne Reise bucht, dann ist das auch eine Form von Glück, ein kurzes Glück, ein Glück, das schnell verflogen ist. Wenn man aber bei der Geburt eines Kindes dabei ist oder einen alten Menschen beim Sterben begleitet, dann ist das ein nachhaltiges, ein berührendes Glück, ein Glück, das uns reifen lässt, das uns dem Sinn des Lebens näher bringt. Und genau darum geht es doch, nicht um jeden Preis das kurze, materielle, flüchtige Glück zu suchen, sondern das große wahre Glück, das uns Erkenntnisse über den Sinn des Lebens verschafft. So eine Erkenntnis hatte ich in dieser Nacht:
Nicht vor dem Tod sollten wir uns fürchten, sondern vor dem ungelebten Leben.

Umso erstaunlicher ist es doch, wenn ich jüngste Entwicklungen sehe, die unsere Gesellschaft immer weiter weg von den wirklichen, glücklich machenden Herzensdingen bringt, eine Gesellschaft, die verlernt hat, empathisch den anderen als gleichwertig und nicht als Konkurrenten oder Feind zu betrachten. Eine Gesellschaft, die sich denaturiert, die Dankbarkeit und Demut ausschließlich für esoterische Konzepte hält, eine Gesellschaft die glaubt, Glück könne man kaufen, wenn man nur fleißig und stark genug ist, wenn man nur lange genug mit in diesem wahnsinnigen Hamsterrad läuft.

Ich möchte dafür werben, sich dem Wunder des Lebens wieder zu öffnen. Sich die guten Nachrichten anzuschauen und nicht die schlechten, die uns ängstigen und uns gar in eine Depression führen können.
Neulich hörte ich von einer Schule in den USA – und seien wir mal ganz ehrlich, die erste Assoziation bei den Wörtern Schule und USA ist sofort die eines erneuten Amoklaufs – nein, in diesem Fall hörte ich von einer Grundschule in Baltimore, in der die Schüler zur Strafe nicht mehr nachsitzen, sondern meditieren müssen. Und das Ergebnis: Diese Schüler haben sich komplett gewandelt, sie sind friedlicher, empathischer, glücklicher geworden. Wie geht es Ihnen, wenn Sie eine solche Nachricht lesen?
Oder folgende Nachricht aus dem Buch: „Hilfst du heute mir, helf ich morgen dir“, die mich ebenfalls sehr berührt hat:

Ein Entwicklungshelfer kommt in ein sehr armes Dorf in Afrika und ruft die Kinder zu sich. Er hat einen großen Korb mit frischem Obst und Süßigkeiten dabei und stellt diesen unter einen 100 Meter entfernten Baum am Dorfrand. Er sagt zu den Kindern, dass das Kind den Korb mit den Köstlichkeiten bekommt, welches am schnellsten auf sein Kommando den Baum erreicht. Als er das Startsignal gibt, fassen sich alle Kinder bei den Händen und gehen gemeinsam zu dem Baum. Der Entwicklungshelfer ist sehr erstaunt und fragt, warum die Kinder das gemacht hätten. Sie antworteten, dass sich doch keiner alleine daran erfreuen könnte, wenn alle anderen Kinder leer ausgingen.

Derlei Nachrichten gibt es millionenfach und wir selbst können entscheiden, ob wir sie hören wollen oder nicht. Stell Dir vor, jemand druckt eine Bildzeitung, aber niemand liest sie, genau das ist die Macht, die wir als Konsumenten haben. Erst wenn wir uns ändern, wird sich auch der Rest verändern, auf den Messias, der uns alle glücklich macht und uns den Weg zur Zufriedenheit zeigt, können wir lange warten. Er steckt in jedem von uns. Denn wahrhaftiges Glück erleben wir nur, wenn wir das Konzept von Mitgefühl, Würde, Gleichmut, Vergebung, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Integrität, Gerechtigkeit, Güte und Liebe verstehen und leben.
Alles andere ist kein wahres Glück. Wir erkennen wahres Glück daran, dass es bleibt, dass es uns tief befriedigt, dass es uns dabei begleitet, das zu werden, für das wir auf dieser Erde vorgesehen sind. Materielles Glück dagegen geht schneller, als es gekommen ist, und bringt uns in eine Abhängigkeit, die unsere Lebensenergie für Dinge, die wir eigentlich gar nicht tun wollen, aufsaugt wie ein Schwamm. Die oben genannten 10 Konzept-Punkte aus dem Buch „Der Neurochirurg, der sein Herz vergessen hatte“, sind eine gute Hilfestellung im Alltag, um jeweils zu überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

Und gibt es eine Glücksformel?

Die Erkenntnis, dass wir für Glück nichts Materielles benötigen, dass auch der Schmerz zum Glück dazugehört, dass wir auch in den schwersten Momenten Glück empfinden können, wenn wir im universellen Vertrauen bleiben, dass das Geschehene einen größeren Plan hat, dann kommen wir dem wahren Glück sehr nahe. Darin liegt für mich die Magie des Lebens, die jedem von uns offensteht.

RUBIKON – Magazin für die kritische Masse

Liebe Freunde von ahundredmonkeys,

seit etwa 3 Wochen habe ich das große Vergnügen auch für den Rubikon, Jens Wernicke und sein Team, schreiben zu dürfen. Zum einen gibt es dort ab sofort meine aktuelle Kolumne, den Satire Quickie (Humor ist ja mit Baumann & Clausen auch mein erster Beruf;) aber natürlich auch Texte, die sich insbesondere mit dem Sinn des Lebens und dem Finden des eigenen Seelenplans beschäftigen, wie Ihr es von ahundredmonkeys gewohnt seid.
Zwei Beispiele möchte ich Euch hier jetzt präsentieren und wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

https://www.rubikon.news/artikel/die-magie-des-lebens

https://www.rubikon.news/artikel/wir-lassen-uns-diesel-nicht-verderben

Wie immer freue ich mich über Eure konstruktiven Anmerkungen und Ideen. Übrigens freut sich der Rubikon über eine kleine, regelmässige Spende, da dieser kritische und mutige Journalismus ausschließlich von freiwilligen Spenden lebt. Alle Infos dazu findet Ihr auf der Homepage www.rubikon.news

Vielen Dank & herzliche Grüße,

Jens Lehrich

Die Glücksformel

Seit ich Kind bin, beschäftige ich mich intensiv mit dem Sinn des Lebens. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich oft abends in meinem Kinderzimmer saß und mich fragte, wer ich eigentlich bin. Warum ich meine Finger bewegen kann, wenn ich ihnen diesen Impuls gebe, warum ich gehen, mich drehen, sehen, stehen oder ganz einfach die Entscheidung treffen kann, mein Kinderzimmer nicht aufzuräumen. Seit ich mir selbst bewusst bin, wuseln mir solche Gedanken durch den Kopf, und bis heute gibt es darauf keine schlüssige Antwort. Die Frage ist auch, ob es sie überhaupt jemals geben kann? Ob das Leben sich jemals in diese Karten wird schauen lassen? Was es jedoch gibt, sind zwei völlig unterschiedliche Betrachtungsweisen: die einen, die das Leben für einen großen Zufall halten und die anderen, die glauben, man könne das Glück aktiv beeinflussen.

Letztere gelten dann meist als „esoterische Spinner“, weil es sich in unserer Gesellschaft durchgesetzt hat, dass wir nur das glauben, was wir auch sehen können. Und sehen können wir das Wunder, das sich permanent und zu jedem Augenblick zwischen Himmel und Erde ereignet, leider nicht, wir können es nur erahnen, im Herzen spüren und mit feinen Sinnen fühlen, wenn unsere spirituellen Antennen aktiviert sind.

Warum aber tun wir uns so schwer damit, uns von unserem Verstand zu lösen und die Welt durch die Augen eben dieses Wunders des Lebens zu betrachten? Weil wir uns dann eingestehen müssten, dass das Streben nach Geld, um materiell zu überleben, niemals der Sinn des Lebens sein könnte. Wir müssten uns dann die Frage nach dem eigentlichen Sinn unserer Existenz stellen und erkennen, dass der Kapitalismus uns zu Süchtigen gemacht hat und unsere eigentliche Lebensaufgabe hinter der materiellen Wand jämmerlich verkümmert. Wir müssten uns eingestehen, dass wir einen Großteil unserer bisherigen Lebenszeit für ein System geopfert haben, das sich vom eigentlichen Sinn des Lebens, der Rückverbindung mit der Natur, immer stärker entfernt. Genau das erträgt unser Verstand aber nicht, weil er sich Fehler nicht eingestehen mag und Niederlagen schon gar nicht. Deswegen bleiben wir lieber dauerhaft unglücklich und ertragen das damit verbundene Leid als mutig einen neuen, einen selbstbestimmten, freien, erfüllenden Weg zu gehen. Verrückt oder? Wir wissen das alles, aber wir bleiben Gefangene unserer eigenen Fehler, die ja als solches sogar wichtig waren, sie gemacht zu haben aber aus deren Erkenntnis wir kaum Konsequenzen für die Zukunft ziehen.

Erschwerend hinzu kommt natürlich auch, dass so ein grundlegendes Umdenken der Tod unseres auf Wachstum basierenden Wirtschaftssystems wäre, das uns im Hamsterrad gefangen hält und uns vorgaukelt, jeder, der nur fleissig genug sei, könne es ganz nach oben schaffen. Und wer es nicht schaffe, der sei halt nicht fleissig genug. Diesem Glauben hat sich unsere Gesellschaft verschrieben und jeder der ihn hinterfragt, wird schief angeschaut, denn es wird von ganz oben alles dafür getan, diese Täuschung aufrecht zu erhalten.

Wenn ich mit fremden Menschen über solche Themen spreche, und das mache ich nahezu bei jeder sich bietenden Gelegenheit, beim Taxifahren, im Schwimmbad, im Ferienflieger oder in der Warteschlange der KFZ Zulassungsstelle, dann erhalte ich für meinen Ansatz, dass in unserem heutigen Verständnis, das Leben zu leben etwas grundlegend schief läuft, breite Zustimmung. Die Sehnsucht sich selbst zu entdecken, zu verwirklichen abseits jeglicher gesellschaftlichen Zwänge, ist immens groß, der Mut dies zu tun jedoch bei den meisten Menschen nur zaghaft vorhanden.
Dennoch bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es nie zu spät ist, damit zu beginnen. Oft höre ich das Argument, dass klingt ja alles schön und gut, aber ich bin jetzt Mitte 50, soll ich mein Leben noch einmal komplett auf den Kopf stellen? Die klare Antwort lautet: „Ja“. Wenn wir damit beginnen, die über Jahrzehnte gelebte Verdrängung (das gelebte Muster) aufzulösen und neue Schritte zu wagen, werden wir vom Leben belohnt.

„Der Erfolg eines Menschen hängt nicht von seiner Intelligenz ab sondern von seiner Fähigkeit mit Niederlagen umzugehen.“

Wer mit Niederlagen umgehen kann, wer sie nicht als Bedrohung sondern sogar als Bereicherung empfindet, wer erkannt hat, dass man nur aus Fehlern wirklich klug wird, dem wird das Leben Glück bescheren, denn den Mutigen und authentisch lebenden Menschen gehört auch zukünftig die Welt.

Auf ein glückliches Jahr 2018!

Jens Lehrich

Achtung SATIRE!

Drama in Berlin:
LINKER Kultursenator doch RECHTShänder!

Ein neuer Skandal erschüttert die Bundeshauptstadt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Berliner Kultursenator Klaus L. Wähler und Kollegen seit vielen Jahren hinters Licht geführt. Der linke Politiker wurde dabei erwischt, wie er einen Eintrag auf seiner Facebook Seite ausschließlich mit Fingern der rechten Hand tippte.

Wie Zeugen berichteten, soll die linke Hand dabei völlig unbeteiligt auf dem Schreibtisch gelegen haben. L.´s Pressesprecher sagte auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, sein Chef sei dennoch bei vollem Bewusstsein gewesen als er den Beitrag gegen Ken J. verfasst habe. Warum seine linke Hand dabei nicht zum Einsatz kam, soll umgehend von einem linken Untersuchungsausschuss, unter der Leitung eines weiteren Rechtshänders mit leichter rechts-links Schwäche, geklärt werden.

Klaus L. war in der Vergangenheit schon mehrfach dadurch aufgefallen, dass er links und rechts verwechselte – Zitat des Kultursenators aus einem Interview mit dem Spiegel von vor einem Jahr: „Links ist da, wo der Daumen links ist“.

Zurück zu den Tatsachen.
Der Journalist und Medienmacher Ken J. sollte am 14.Dezember im Berliner Babylon Kino den Karlspreis der Neuen Rheinischen Zeitung für seinen mutigen Journalismus überreicht bekommen. Klaus L. jedoch, der bisher in seinem Leben nur die kleinen Preise vom Lebensmittel Discounter Plus überreicht bekommt hat, konnte dies unter dem Einsatz modernster Kommunikationsmethoden verhindern. Insgesamt 400 000 Euro wollte er nun künftig für die Stadt Berlin einsparen, wenn das Babylon Kino seiner Bitte, die Veranstaltung mit J. abzusagen, nicht entspräche. (Der genaue Wortlaut des Gesprächs mit den Babylon Betreibern lag der Redaktion bis Redaktionsschluss leider nicht vor.) Kommentare kamen so gleich auch von prominenten Weggefährten, wie dem legendären Kaufhauserpresser Arno F. alias Dagobert, der in einem ersten Statement Klaus L. für seine professionelle Vorgehensweise lobte.

Klaus L. will aber selbst nichts davon wissen, die Betreiber des Babylon Kinos womöglich erpresst zu haben. Er habe im Sinne der Demokratie gehandelt, um Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden. Ken J. sei schließlich in der Vergangenheit immer wieder durch rechte bzw. linke also rechtslinke oder linksrechte – also so genau wisse er das auch nicht – aber in jedem Fall durch Äußerungen in Erscheinung getreten, die man ihm zwar nicht konkret nachweisen könne aber auch nicht müsse, denn den Personen, mit denen er Kontakt gehabt haben könnte, müsste man unterstellen, sie wären zu weit rechts oder zu weit links aber eben auf gar keinen Fall geradeaus genug.
Warum der Kultursenator, der in seiner Freizeit gerne mit einem Audi A6 Dienstwagen die linke Autobahnspur dicht macht, um zu sehen, wer ihn rechts überholt, sich durch die diesjährige Karlspreis Verleihung so angegriffen fühlte, führt zu wildesten Spekulationen. Insider vermuten, dass Klaus L. seit Jahren unter dem sogenannten Wikipedianer Virus leidet, einer Erkrankung, die es dem Betroffenen verbietet, andere Informationsquellen außerhalb von WIKIPEDIA zu nutzten.

Besorgt über den Vorfall zeigt sich auch die Berliner Kulturszene, sollte Klaus L. seine linke Hand nicht wieder in Betrieb nehmen können. Aus gut informierten Kreisen drang die Nachricht durch, dass der Kultursenator in einem nächsten Schritt allen Theatern und Veranstaltungshäusern in Berlin die Bezeichnung Parkett rechts verbieten will. Ab 2019 soll es in der Bundeshauptstadt nur noch Parkett links geben, natürlich um Demokratie, pardon Schaden, vom Deutschen Volke abzuwenden.

Unter den Wolken…

Moderne Bankräuber müssen sich heutzutage nicht mehr verkleiden. Sie kommen in maßgeschneiderten Anzügen zu ihren Raubzügen, machen sich die Taschen voll und verschwinden dann klammheimlich wieder von der Bildfläche. Unterstützt werden sie dabei zuweilen von der Bundespolitik, mit dem Geld von uns braven Bürgern, die wir ja so gerne Steuern zahlen, damit eben diese Bankräuber oder wie man es heute so modern sagt, Konzernvorstände, einen ruhigen, entspannten Lebensabend haben.

150 Millionen Euro hat die Bundesregierung Air Berlin für die Rettung „geliehen“, davon hat sich CEO Thomas W. 4,5 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt. Immerhin hat er dafür 9 Monate hart gearbeitet und das Unternehmen mit vollem Einsatz so richtig schön „vor die Wand geflogen“. So, wie es der Lufthansa gut gefällt, die jetzt rund 80 Air Berlin Maschinen „günstig“ übernehmen kann, übrigens ist die Lufthansa rein zufällig das Unternehmen, für das Thomas W. zuvor gearbeitet hat. Wer hier an eine Absicht denkt, der ist ein schlechter Mensch, vielleicht sogar ein wirrer Verschwörungstheoretiker.

Ehrlich gesagt fällt es schwer, bei solchen Umständen nicht zynisch zu werden und das zu tun, was dieser Blog eigentlich zum Kernziel hat: den Betroffenen, in diesem Fall den Air Berlin Mitarbeitern und ihren Angehörigen, zu vermitteln, dass jedes Ereignis – und sei es auch noch so schwerwiegend – immer auch eine positive Seite hat, dabei zu helfen, nach einer kurzen Wutphase das Licht am Ende des Tunnels zu erkennen, das den eigenen Lebensweg in eine neue, in eine bessere Richtung weist.

In diesem Zusammenhang möchte ich das Buch „Das Experiment der Hingabe“ von dem amerikanischen Bestsellerautor Michael Singer empfehlen, der sich als junger Mann seinem Leben mutig gestellt und jede noch so unangenehme Situation willkommen geheissen hat, ohne dagegen mit seinem Verstand anzukämpfen, ohne dem erlebten Unrecht noch mehr Energie zu geben. Wer dieses Buch gelesen hat, der spürt, dass das Leben es grundsätzlich immer gut mit uns meint.
Natürlich ist es nicht einfach, negative Umstände nicht zu bewerten und dabei im Vertrauen zu bleiben aber am Ende ist es der einzige Weg in die persönliche, wahrhaftige Freiheit.

Menschen wie Thomas W. sind „Täter in Nadelstreifen“, wie wir sie überall und leider immer häufiger in der Wirtschaft erleben. „Täter“, die wahrscheinlich durch selbst erlebte Traumatisierungen ihr Herz gänzlich verschlossen haben „und es der Gesellschaft mit allen Mitteln und Möglichkeiten verbieten, sie als Täter zu sehen.“ (Zitat aus dem Buch Mein Körper, mein Trauma, mein ich von Franz Ruppert und Harald Banzhaf) Menschen, die selber glauben Gutmenschen zu sein, weil ihnen der Bezug zu den wirklich wesentlichen Werten völlig abhanden gekommen ist.

Ich jedenfalls wünsche den Mitarbeitern von Air Berlin, dass sie das Trauma ihrer Kündigung schnell überwinden und in ein neues, besseres Leben starten können, frei nach dem Motto: auch unter den Wolken kann die Freiheit grenzenlos sein, wenn wir uns dem Leben hingeben und ihm vertrauen, dass sich neue Türen zur Erfüllung des eigenen Seelenplanes öffnen. Denn eines ist klar: viel Geld macht nicht „viel“ glücklich, schon gar nicht, wenn man es wie Thomas W. anderen „gestohlen“ hat.