Durch Achtsamkeit Angst in Mut verwandeln

Altruismus ist für viele Menschen immer noch ein Fremdwort. Es bedeutet dem anderen aus einer natürlichen Selbstverständlichkeit heraus gerne zu helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, ohne daraus einen Vorteil zu ziehen. Mit Altruismus werden wir geboren und würden wir diese Fähigkeit nicht bereits nach kurzer Zeit auf Erden verlernen, wir würden altruistisch sterben. Damit ist auch die Frage beantwortet, ob der Mensch so sein muss, wie er sich gerade auf Erden benimmt: ausbeuterisch, gewaltsam, egoistisch. Die Antwort der Wissenschaft lautet: „Nein“. Schade nur, dass wir das nicht aus der BILD Zeitung erfahren sondern erst, wenn wir uns selbst auf die Suche nach Sinnhaftigkeit und mehr innerer Lebensfreude machen.

Für uns ist es von Kindesbeinen an normal zu kämpfen, das ganze Leben ist mehr Kampf als Vergnügen, in diesem Massenbewusstsein wachsen wir in ein System hinein, das uns vermittelt, das Leben sei ein Zufall, wir müssten ihm uns erfürchtig ergeben, immer ganz nach dem Motto: das Leben geht vor und wir stolpern ihm hinterher. Dieser Irrglaube dient vor allem einer Gesellschaft, die ständiges Wachstum als Religion hat, deren Ziele immer dann schon wieder zu Staub zerfallen sind, wenn sie erreicht wurden. Immer höher, immer größer, immer besser aber nie unter dem Aspekt von Liebe und Wahrhaftigkeit. Lebensfreude wird in so einer Gesellschaft irrtümlich als materieller Reichtum definiert, ist man arm, kann man keine Lebensfreude haben. Dabei ist das Wesentlich einfach, das hat schon der große indische Philosoph Jiddu Krishnamurti auf berührende Art und Weise in seinen Büchern gelehrt, oder um es mit modernen Worten einer deutschen bekannten Popband auszudrücken: „Es lebt sich besser mit leichtem Gepäck“.

Unsere Seele und unsere Intuition flüstern uns permanent auf unserem Lebensweg, dass Wahrhaftigkeit, Liebe und Freiheit unsere wichtigsten Ziele sind, aber die Sucht nach Materiellem hat uns den Blick dafür verbaut, und wir landen im Hamsterrad und drehen uns bis wir ausbrennen, Medikamente schlucken, zu viel Alkohol trinken und zu viel Junkfood in uns hineinstopfen – alles nur, um uns glücklich zu fühlen, so, wie wir es tun würden, wenn wir den Rucksack mit unseren materiellen Verpflichtungen gar nicht erst aufgeschnallt hätten. Doch Glück gibt es nicht als Pille, Burger oder Getränk, wahres Glück finden wir nur in unserem tiefsten Inneren. Und eigentlich wissen wir das auch in unserem tiefsten Inneren, doch wir haben nicht den Mut, gegen den Mainstream-Strom zu schwimmen. Verdrängung ist dabei zu unserem Lebenskonzept geworden, um die selbst erschaffte Realität zu ertragen. Die gute Nachricht jedoch ist: wir können aussteigen, jederzeit, in jedem Alter und sogar in jeder Lebenssituation, egal ob wir durch äußere Umstände, wie den Verlust unseres Arbeitsplatzes dazu gezwungen werden oder freiwillig erkannt haben, dass innere Lebensfreude für unser Glücksniveau einen weitaus größeren Stellenwert hat als jedes materielle Statussymbol. Das kann sogar die jüngste Glücksforschung belegen: nur 10 % unseres Glücksniveaus hängen demnach davon ab, ob wir arm oder reich, schön oder hässlich, erfolgreich oder erfolglos sind.

Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser ist für viele Menschen ein Hoffnungsträger. Nicht nur, weil er mit seinen Forschungen über illegale Kriege neue Impulse für Frieden und Gerechtigkeit auf unserem Planeten setzt sondern auch weil er selbst den Mut hatte, dem System zu widerstehen und sich den Rücken nicht verbiegen zu lassen. Darüber habe ich mit ihm in Hamburg ein sehr emotionales und besonderes Gespräch geführt, das aufzeigt, dass der Weg zu mehr Lebensfreude nicht nur ein Beitrag für den Frieden sondern vor allem ein Gewinn für die eigene Lebensqualität ist. Für jeden Menschen erreichbar, der bereit ist, durch Achtsamkeit Angst in Mut zu verwandeln. (Hinweis: zum Ende des Gesprächs mit Dr. Daniele Ganser hat sich ein Versprecher eingeschlichen, es sind natürlich 225 Dollar pro Mensch pro Jahr, nicht pro Tag)

3 Gedanken zu “Durch Achtsamkeit Angst in Mut verwandeln

  1. Lieber Jens Lehrich, vielen Dank für das tolle Interview. Sie erwähnen hier zwei Punkte: Erstens, dass Glück laut Forschungsergebnissen nur zu 10% von äußeren Faktoren abhängen soll, und dass es zweitens 66 Tage bräuchte, bis sich ein Verhalten ändern würde. Können Sie hierzu bitte die entsprechenden Quellen posten? Vielen Dank vorab. VG Mike Kaiser

    1. Lieber Herr Kaiser,
      gerne nenne ich Ihnen die Quellen.
      Die 10 % stammen aus dem Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ von Frank Berzbach, Seite 135.
      Erforscht hat das Sonja Lyobomirsky (russisch-amerikanische Psychologieprofessorin)
      Und die 66 Tage stammen von der Seite http://www.alltagsforschung.de, britische Forscher haben das herausgefunden.
      Ich hoffe, ich kann Ihnen mit diesen Infos helfen,

      beste Grüße,

      Jens Lehrich

  2. Sehr geehrter Herr Lehrich,

    vielen Dank für dieses wunderbare Gespräch und die interessanten Ausführungen.
    Am meisten habe ich mich über Ihre Ansichten und Ihre Weltanschauung gefreut.
    Es ist schön, wenn sichtbar wird, dass nicht wenige Menschen sich diese Art der Gedanken machen. Das bestärkt das Gefühl eben doch nicht zu den wenigen zu gehören.

    Scheinbar hat das Prinzip der Anziehung auch bei mir gewirkt, denn ich bin über Youtube auf Ihren Blog gestoßen.

    Ich möchte gerne einige meiner Gedanken hier als Kommentar hinterlassen:

    Die brennende Frage in mir und sicher nicht wenigen anderen ist, wie wir künftig zusammenleben wollen.

    Wollen wir weiter in Konkurrenz leben und auf unserem Wissen als Vorsprung vor den anderen sitzen, wollen wir den anderen möglichst die Jobs, das Geld und die Ressourcen abgraben und dann zur Erhohlung von all dem emotionalen Stress, der dadurch entsteht, unendlich viele Langstreckenflüge absolvieren, damit wir einigermaßen erhohlt zurückkommen um dann wieder dem Kaptial zu dienen? Oder wollen wir doch mal den Versuch der Kooperation wagen, Wissen teilen und uns in jedem Lebensalter zu zusätzlicher Bildung und der Möglichkeit andere Dinge zu tun verhelfen, weil wir dann einen größeren Nutzen daraus ziehen können?

    Wie sie kurz angerissen habem, hat eine Oxford Studie vorhergesagt, dass in den kommenden 25 Jahren ca. 50% der Jobs wegfallen werden. Aber wer kann schon vorhersagen, was in 25 Jahren geschweige denn in fünf Jahren sein wird. Könnte alles anders kommen, dennoch halte ich es aufgrund der Entwicklungen in Automatisierung und Digitalisierung und aufgrund unserer Wirtschaftsweise für sehr wahrscheinlich, dass immer weniger Menschen eine geldeinbringende Arbeit haben werden. Auch die scheinbar besser bezahlten und als sicher geltenden Jobs werden aufgrund der Möglichkeiten von Computern und Algorithmen auf den immer größer werdenden Datenmengen immer mehr in Gefahr geraten. Und, wir sollten uns nicht erzählen lassen, dass ausreichend neue Jobs entstehen werden. Wenn das durch unsere Wirtschaftsweise der Fall wäre, sollten wir keine Arbeitslosen mehr haben…

    Daher wünsche ich mir in den meisten Diskussionen mal eine viel grundsätzlichere Auseinandersetzung mit dem Thema Geld und Tausch. Denn es ist das Prinzip des Geld verdienens, was uns zum Problem werden wird. Das Geld brauchen wir um etwas zu tun jedoch garnicht. Wir benötigen Menschen, Resourcen und Zeit. Heute allerdings brauchen wir um etwas zu tun zuerst immer finanzielle Mittel.

    Wenn uns mal eine Hungersnot einholen sollte, werden die Menschen kapieren (müssen), dass man Geld nicht essen kann.

    Die Frage, die also wenig gestellt wird ist:
    Warum muss getauscht werden, wenn etwas arbeitsteilig gemacht wird?
    Es geht also um das Prinzip Leistung gegen Leistung.

    In der Natur findet sich das nicht.
    An unserem Frühstückstisch finde ich das auch nicht
    In meiner Nachbarschaft ebenso wenig.

    Ich bin vollkommen ihrer Meinung, dass unser Denken auf Strafe basiert und das vollkommen veraltetete Schulsystem eben dort aufsetzt. Wir erschaffen uns mit unserem Schulsystem und dem wirtschaftlichen Handeln lieber eine Gesellschaft, die auf Konkurrenz, Ellenbogen, Angst und Strafe basiert, als eine die auf Gemeinschaft und Vertrauen basiert. Ihre Ausführungen über das Lernen teile ich sehr. Wir fördern nicht die Talente und Möglichkeiten der Menschen sondern fördern die Konkurrenz unereinander und die Verunsicherung derer, die nicht auf Anhieb erkennen, worin sie gut sind.

    Wir Menschen sind nicht alle gleich, aber gleichwertig. Und jeder hat irgendwo Talente. Man muss sie nur finden, um sie fördern zu können. Nach Vera F. Birkenbihl ist nur ein Drittel der Intelligenz nicht beeinflussbar (biologische Voraussetzung). Der Rest kann trainiert werden.

    Ich freue mich auf weitere interessante Beiträge von Ihnen.

    Es grüßt

    Jens

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